Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 210)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476272--3240-3479381- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 210 — die wir erobern und erhalten wollen, bitte ich folgendes sich vor Augen zu halten. Wir lassen uns nicht durch die Größe des Zionismus blenden; nicht weil die Organisation groß ist, schließen wir uns an; wir sind ihr beigetreten zu einer Zeit, wo sie am schwächsten war, und stehen auch heute noch treu zu ihr, obAvohl sie nicht am stärksten geworden ist. Wenn der Zionismus noch so groß sein würde, wenn wir aber überzeugt wären, daß er unsere Religion gefährden könnte, so könnte uns der Glanz nicht blenden. Denn in diesem Falle vergleichen wir ein gleißendes Band, das mit Gold gestickt ist und verlockend unsere Augen blendet, mit dem einfachen, unscheinbaren Arbakanfaus, das mit Schaufäden versehen ist, dann sagen wir, wenn wir vor die Wahl gestellt sind: das Arbakaufaus liegt uns nicht nur näher, sondern es ist uns auch heilig, weil es uns mahnt an ein göttliches Wort: ,,Welau sosuru achare lewawehem weachare enechem; ascher atem saunim acharehem." Ihr sollt euch nicht von der Hoffart des Herzens und nicht vom Blendwerk des Auges zur Untreue verleiten lassen. Deshalb ist es Aufgabe des Kongresses, zu ermöglichen, daß ein friedliches Zusammenarbeiten dauernd geschaffen werden kann, und in diesem Sinne bitte ich Sie, jederzeit dahin zu wirken, im Kongreß und draußen das zu beachten, was der Vorredner gesagt hat. Was jeder einzelne tut, ist Privatsache, was Sie aber offiziell oder unter zionistischer Flagge unternehmen, damit seien Sie, ich bitte, vorsichtig, sonst nützen Sie nichts, Sie schaden nur der Sache, und zwar nicht nur bei denen, die religiös sind, sondern auch bei denen, die es nicht sind, weil Sie unsern Gegnern Waffen gegen uns liefern. (Beifall.) Ich komme zum Schluß. Wir haben in Jaffa eine herrliche Schule errichtet, die die größte Sympathie und die besten Eesultate erzielt hat. Auch Jerusalem verlangt nach solchen Schulen; wir wollen auch in Jerusalem solche schaffen, und ich lenke die Aufmerksamkeit des Kongresses auf schon bestehende sowie auf die noch zu schaffenden Einrichtungen. Verbreiten Sie diese Sympathie und wirken Sie dahin, daß diese Kulturinstitution, die eine zionistische Institution, ein Kind des jüdischen Zionismus ist, Unterstützung finden möge. Es ist ein Stück praktischer, jüdischer und zionistischer Arbeit, es ist eine Arbeit, von der Palästina heute schon Nutzen zieht, aus der die Bevölkerung Kraft gewinnt, die r uns in Einklang mit der Bevölkerung bringt und Kultur im Sinne unserer Uberzeugung schafft. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Präsident Dr.?fordau: Einige telegraphische Einlaufe aus der immer mehr anschwellenden Fülle der Begrüßungen seien hier mitgeteilt, weil sie besonders interessant sind. Die Versammlung der Juden in Beirut, in der asiatischen Türkei, sendet dem Kongreß ihre herzlichsten Wünsche, — das Telegramm ist hebräisch, — zu seiner Arbeit. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) „Die Zionisten in Konstantinopel wünschen unserer Arbeit den besten Fortgang und das größte Gedeihen. Mögen aus ihr reichliche Früchte für unser Volk, das heilige Land und das ganze ottomanische Reich hervorgehen." (Lebhafter Beifall.) Russo, ein höherer Beamter in türkischen Staatsdiensten, so viel ich weiß, Sekretär im Finanzministerium, telegraphiert (französisch): „Überzeugt, daß der Zionismus mit der ottomanischen Vaterlandsliebe verträglich ist, bitte ich Sie, dem Kongresse gegenüber der Dolmetsch meiner vollen Sympathie und meiner heißen Wünsche für die Herbeiführung eines Einvernehmens mit der verfassungsmäßigen ottomanischen Regierung zu sein." (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Herr Simon hat mir den Antrag überreicht, daß in Anbetracht des Umstände s, daß 99 Redner für die Palästinadebatte eingeschrieben sind, von denen bisher 12 zum Worte, kamen, die eingetragenen Redner aus ihrer Mitte eine Anzahl Generalredner bestellen mögen, die möglichst alle Schattierungen der unter ihnen vertretenen Meinungen zum Ausdruck bringen sollen. Dazu