Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 208)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 208 — ihrem Gelde nach Rußland zurück. Das darf nicht vorkommen. Es muß jeder die Möglichkeit haben, sich anzusiedeln. Gestern hat ein Herr den richtigen Ausdruck gebraucht: Die Anziehungkraft wird nicht proportioneil wachsen, sondern in einem geometrischen Verhältnisse. Wie die Dinge jetzt liegen, kann dies nicht der Fall sein. Der zweite Rat ist der, daß ideale Anregungen aus Köln nach der Richtung ergehen mögen, daß die Zionisten bis in die kleinsten Ortskomitees sich jedes Frevels an der Religiohssatzung enthalten mögen. Es wurde da besonders viel gesündigt. Ich will keine Namen nennen, es trifft, alle die Schuld. Daß zionistische Bureaus ihre Arbeit auf den Sabbath verlegen, hat viel Ärgernis erregt. Die öffentliche Sabbathheiligung ist nicht nur ein religiöses S3rmbol, sie ist nicht nur eine soziale Wohltat, sondern auch ein zionistisches Symbol. Darin liegt auch das Nationale. Diese öffentliche amtliche Sabbathheiligung des Zionismus muß zu einem unverbrüchlichen Gesetze werden, vom kleinsten Dorf bis hinauf zu den höchsten Bureaus. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich habe bereits zwei Dichter genannt: Heine und, Herz 1. Letzterer bedeutet für uns mehr als ein Dichter, obwohl er seine Größe auch dem Umstände verdankt, daß er ein Dichter war. Ich will auch einen christlichen Dichter oder vielmehr einen heidnischen Dichter nennen, nämlich Goethe. Den werden Sie gewiß nicht im Verdachte haben, daß er ein misrachistisch gesinnter Mann war. (Heiterkeit.) Goethe hat gesagt, daß noch kein Volk Großes geleistet hat, das nicht von religiöser Begeisterung erfüllt war, und noch nie haben Völker Großes geleistet, bei denen der religiöse Sinn verkümmert war. Wir müssen Großes leisten und werden nur dann Großes leisten, wenn wir die jüdische Volksseele belauschen, wenn wir wissen, daß die Juden das prädestinierte Volk der Religion sind. Alle unsere Feinde geben zu, daß, so wie die Römer der Welt den durchgebildeten Rechtsbegriff und die Griechen den Schönheitsbegriff gebracht haben, die Juden den Glauben an den einzigen Gott gelehrt haben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Weniger Übereinstimmung besteht in bezug auf eine andere Wohltat, die wir der Menschheit geschenkt haben. Da gibt es viele, die uns den Rechtstitel auf die allgemeine Dankbarkeit streitig machen wollen. Wir Juden haben den Menschen nicht nur den einigen, einzigen Gott gebracht, bei uns kommt auch zum erstenmal der Satz vor: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Den haben nicht andere Völker der Welt vermacht, den hat auch nicht ein einzelner Mann der Welt geschenkt, sondern wir, das Volk Israel, der erstgeborene Sohn des Gottesglaubens. Im Anfang der Beratung hat ein würdiger Herr, der Vorstand des Hamburger Synagogenverbandes, Ihnen hier den Weg gewiesen, wie wir moralische Eroberungen machen können, und unser verehrter Präsident Herr Dr. Nord au hat das ausdrücklich anerkannt, indem er dem Kongreß zugerufen hat: Der Herr hat Ihnen gezeigt, wie Sie moralische Eroberungen machen können! Auf diese Weise werden Sie Gemeinden erobern, und auf diese Weise werden Sie Palästina erobern. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Delegierter Dr. Hoppe: Ich erlaube mir mitzuteilen, daß die Ortsgruppe Königsberg mindestens 1000ich glaube noch mehr für die Siedlungsgenossenschaft aufbringen wird. (Lebhafter'Beifall und Händeklatschen.) Präsident Dr. N Oldau: Die zionistische Ortsgruppe Köln zeichnet für die Siedlungsgenosssnsehaft 500 Jt, abgesehen von einer Zeichnung der Herren W o 1 f f s o h n und Dr. Bo cl enh eim er. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Delegierter Leb<mitsch (Budapest): Hochverehrter Kongreß! Ich kann dieses Kapitel, das in Verhandlung steht, nicht vorübergehen lassen, ohne dazu mit einigen Worten Stellung zu nehmen. Ich spreche jetzt zu Ihnen als Misrachist und im Auftrage der Misrachisten. Die praktische Arbeit in Palästina liegt uns, wie ich bereits bei einer andern Gelegenheit gestern erwähnt habe, doppelt am Herzen. Die Kulturarbeit in Palästina ist eines