Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 207)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 207 kann. Deswegen waren wir auch gegen die Unterstützung des Hebräischen Gymnasiums aus den Mitteln des Nationalfonds. Nun komme ich zu einem praktischen Vorschlage. Man hat es versäumt, hei allen organisatorischen Arbeiten die jüdische Volksseele zu studieren'. Es wird geklagt, daß der Zionismus zurückgeht, daß die Reihen seiner Anhänger sich lichten, daß die Kräfte des frühern Bestandes zusammengeschmolzen sind. Herzl hat das verstanden, was nach ihm keiner so wie er verstanden hat, — das wird wohl niemand beleidigen, — er kannte die Grundfiber der jüdischen Volksseele, die am leidenschaftlichsten vibriert, wenn es sich um religiöse Dinge handelt. Darum sollte man die Volksseele studieren, es sollten von den Spitzen der Organisation, von dem Bureau in Köln und von den Landsmannschaften, ideelle Anweisungen hinausgehen bis zur kleinsten Ortsgruppe, daß überall unsere begeisterte zionistische Jugend herangezogen werde, wenn man ihr auch eben wegen ihrer Jugend, — häufig sind es 19—20jährige Jünglinge, — manchen Uberschwang zugute halten muß. (Zustimmung.) Denn die zionistische Organisation hat auch erzieherische Zwecke, und es dürfen nicht nur trockene Reskripte von Köln ausgehen. Es könnten, wenn es den Führern angenehm wäre, viele, sehr viele herangezogen werden, die heute aus religiöser Ängstlichkeit zurückbleiben Es ist ein alter Wunsch, die jüdischen Gemeinden zu gewinnen. Wie wollen Sie das aber? Die alten jüdischen Gemeinden haben immer die religiösen Empfindungen gepflegt, und Herzl hat sein Augenmerk darauf gerichtet, diese abseits stehenden Gemeinden zu gewinnen. Große Taten hat noch unser Volk zu vollbringen. Wir waren einst in Babylon. Dr. Pasmanik hat den Vorschlag gemacht, es sollen größere Massen nach Palästina hinausziehen; das ist für den Augenblick unpraktisch, aber die 40 000, die damals aus Babylon hinausgezogen sind, waren die Misrachisten jener Zeit, und Hunderttausende haben sie zurückgelassen; jene wenigen haben die Fahne der religiösen Begeisterung hochgehalten, und 40000 Männer haben ein neues Staatswesen gegründet. Gehen wir ein paar Jahrhunderte weiter, da kam die Zeit der Makkabäer. Unsere Heimat war unterworfen und das Volk geknechtet, es knirschte in der Knechtschaft, aber was hat die Volkswut zum Ausbruch gebracht? Religiöse Frevel haben die Makkabäer erregt, und diese haben die Fahne der Begeisterung hochgehalten, und nur dadurch gelang es ihnen, die Frevler aus dem Wege zu räumen und die Selbständigkeit des jüdischen Volkes wiederherzustellen, Darum wollen wir von der Schule in Palästina diejenigen abhalten, die nicht die Bedeutung der religiösen Begeisterung würdigen. Darum wollen wir uns erinnern des Wortes von Herzl, der die religiös begeisterten Zionisten, die Juden der östlichen Länder, die Schweizergarde des Zionismus nannte. Heine hatte die Juden auch genannt die Schweizergarde des Gottesglaubens. Die Schweizergarde des Gottesglaubens und die Schweizergarde des Zionismus gehören zusammen, die Schweizergarde des Gottesglaubens ist berufen, du» Schweizergarde des Zionismus zu werden. Wir haben in wenigen Monaten in Palästina 600 Schekel gesammelt und hoffen, nach zwei Jahren mit 2000 hervortreten zu können. Unsere Schule hat dies zuwege gebracht; man kommt von allen Seiten zu uns, wir sollen noch andere Schulen gründen. (Beifall.) Aber leider können wir jetzt noch nicht so Großes, vielleicht kommen wir noch so weit. Darum möchten wir dem E. A. C. raten, den Nationalfonds seinen eigenen Zwecken zu überlassen, dem Zwecke, Land anzukaufen und urbar zu machen. Gestern erzählte ein bekannter Herr, der auf dem Kongresse war, ohne Zionist zu sein, man habe ihn gefragt, warum er dem Zionismus nicht beitrete. Da sagte er: Ich will diese Frage beantworten. Vor ganz kurzer Zeit ist eine russische Familie, mit hinreichenden Mitteln ausgestattet, nach dem heiligen Land gezogen, um sich dort anzusiedeln. Sie konnte aber kein Land bekommen, weil nichts für sie urbar gemacht war. Da ging sie mit