Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 206)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 206 — die Juden in den Ländern des Drucks, die unglücklichen Juden, die sonst nach Hamburg gehen, um auszuwandern ins neue Golus, am Kongreße hören, daß es ihnen möglich sein wird, einzuwandern ins Land ihrer Väter. Delegierter Heinrich Schein: Die rumänische Landesföderation gibt für den Oppenheimer sehen Plan 2000 Frs. außer den 1000 Frs., welche die Sektion der ChoAvewe-Zionisten in Rumänien bereits gezeichnet hat. (Lebhafter Beifall.) Sie wollen aber dabei nicht stellen bleiben. Delegierter Professor Weyl: Hochgeehrter Kongreß! Heute habe ich zum ersten Male in der Versammlung das Wort gehört: die jüdische Volksseele. An dein ersten Tage Ihrer Versammlung ist so viel geklagt worden, daß in Palästina die zionistische Bewegung und Propaganda verhältnismäßig weiter zurückgeblieben ist, als man erwarten sollte. Die Leitung des Kongresses hat sich mit Recht darüber beschwert, daß man hier nur Anklagen und Kritik vorbringt, nicht aber positive Vorschläge. Ich glaube in der Lage zu sein, einige bescheidene Vorschläge machen zu können. Der letzte Redner hat mit Recht hervorgehoben, daß misrachistische und nichtmisraehistische Bestrebungen in gleicher Weise im heiligen Lande berücksichtigt werden sollten, und ich spreche hier zwar als Mitglied der misrachistischen Föderation, aber auch vom allgemeinen zionistischen Gesichtspunkte aus. Auch wir sind der Meinung, daß die zionistische Bewegung jetzt sich ganz ernst auf die praktische Palästinaarbeit verlegen muß. Wir sind erst einige Monate alt, wir sind der Benjamin unter den zionistischen Landsmannschaften und Vereinigungen. Aber wir haben diese wenigen Monate benutzt, um rührig zu arbeiten, wir haben eine geistige Arbeit, vollbracht, indem wir eine den modernen pädagogischen Ansprüchen entsprechende Schule gegründet haben, an deren Ausbau wir tätig sind, das ist die Schule in Jaffa. (Lebhafter Beifall.) Wir sind aber auch gerade jetzt von unsern palästinensischen Partei- und Gesinnungsgenossen angeregt worden, eine in der Entstellung begriffene Kolonie zu übernehmen. Auch dieser Arbeit werden wir uns mit voller Aufmerksamkeit zuwenden. Wir hoffen in kurzer oder absehbarer Zeit eine zionistische Kolonie in Palästina zu haben, die aus unserer Föderation hervorgegangen ist. (Lebhafter Beifall.) Da wir aber noch eine junge Föderation sind, sind wir noch ein bißchen kindlich und freuen uns unserer einstweiligen Errungenschaft. Es wird Sie vielleicht interessieren, von unserer Schule zu hören. Sie ist sechs Monate alt, aber ihre Räume fassen nicht mehr die Anzahl der Schüler. Wir mußten eine große Anzahl von Anmeldungen zurückweisen und werden demnächst ein eigenes Schulhaus erbauen. Natürlich werden in dieser Schule die religiösen Fächer sehr stark berücksichtigt. Aber auch in den profanen Fächern wollen wir es so weit bringen, und unser Plan garantiert jetzt schon das Gelingen, daß in den allgemeinen Disziplinen unsere Schule hinter keiner andern zurücksteht. Aber eins haben wir uns zum Prinzip gemacht, aus zionistischen und misrachistischen Gründen, wir wollen allein und selbständig dastehen. Unsere Schule ist in streng nationalem Geiste geleitet, aber die Mittel zur Erhaltung der Schule verlangen wir nicht von der zionistischen Gesamtheit, auch nicht vom Nationalfonds, weil wir es aus allgemein zionistischen Gründen' für einen Fehler halten, wenn der Nationalfonds für andere Sachen verzettelt wird, als für den Ankauf von Boden. (Lebhafter Beifall.) Aus demselben Grunde sind wir grundsätzlich gegen jede Unterstützung von Institutionen aus dem Nationalfonds, besonders von Schulen, bei denen auch der religiöse Charakter in Frage kommt. Es soll jede Organisation, es soll jede Föderation oder irgendeine Schulsozietät sich ihre Schule gründen auf eigene Kosten und Gefahr, es ist dies vom zionistischen Gesichtspunkte aus von großer Wichtigkeit. Wenn eine aus allgemeinen zionistischen Mitteln unterstützte Schule wegen des in ihr herrschenden Geistes weitern Kreisen nicht gefällt, so macht man den ganzen Zionismus verantwortlich, während -man sonst nur eine einzelne Körperschaft verantwortlich machen \