Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 205)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 205 — sagt, der Nationalfonds darf überhaupt nicht für etwas anderes als für den Boden angetastet werden. Ich stelle auf dem Standpunkte des Prof. Oppen - h eim er. Sie werden dann den Antrag der rumänischen Landsmannschaft hören, den der Präsident derselben begründen wird. Wir in Rumänien denken daran, eine Kolonie für die rumänischen Juden zu gründen, und wollen, daß dies.* Kolonie gefördert werde, und haben ein Recht, dies zu verlangen, nachdem wir dem Nationalfonds SOOOOFrs. aus Summen zugeführt haben, die früher den Chowewe Zion gehört haben. (Lebhafter Beifall.) Wir gehen daran, eine neue Spende zu widmen. Sie werden hören, wie es uns gelungen ist, eine große testamentarische' Spende dem Nationalf« >nds zuzuführen. (Erneuter, lebhafter Beifall.) Ich sage, wir müssen immer darauf drängen, — und das ist das wichtigste. — auf die wirkliche Arbeit, die vollbracht werden soll, das ist auch die beste Politik. Auch die ideale Arbeit jedes Menschen, soweit er Mensch, Jude und Zionist ist, ist ein Gewinn für die Tätigkeit und für die kulturelle Arbeit in Palästina. Auf diesem Kongreß, wie schon auf den frühern, hat man die kulturelle Arbeit in den Hintergrund gestellt. Wir haben seit dem letzten Kongreß gar nicht gehört, daß man die Kulturkommission oder die Kommission des Erziehungswesens irgendwie gerufen hätte. Aber wir freuen uns doch anderseits, daß aus dem Bericht hervorgeht, daß Professor Warburg dessen eingedenk ist, daß bei dem Volk des Geistes die praktische Arbeit nur durch den Geist gefördert werden kann, und wir verlangen jetzt, daß in Palästina die geistigen Interessen gefördert werden, gleichgültig, welcher Richtung sie angehören. Jede Art Kulturarbeit muß dort verrichtet werden. Wir können nur dem Kongreß zurufen, daß jenes Wort, welches Herzl geprägt hat: „Altneuland", immer unser Programm sein muß. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Nicht genug, daß wir immer darauf hinweisen, daß unsere Idee Jahrtausende alt ist, wir müssen immer zum Alten Neues hinzufügen, und müssen durch neue Taten die Vergangenheit vor Vergänglichkeit und das Alte vor Veraltung bewahren. Jeder Kongreß muß was Neues vollbringen, und deshalb bitten wir Sie, dieses Werk fortzusetzen. Wir denken, daß propagandistisch sehr viel in Palästina geschehen könnte. So ist der Verein Tikwas Zion aus Bakau der Ansicht, daß es möglich wäre, daß vom Nationalfonds jedes Jahr proportioneil mit der Summe, die eingelaufen ist, arme Juden dieses Landes Boden in Palästina bekommen. Für andere Kolonisationsspesen würden die Gemeinden sorgen. Jedenfalls müssen wir immer mehr Arbeit verlangen. Wenn gesagt wurde, daß es ein großes Verdienst der Leitung ist. das wir auch anerkennen, daß sie das alte große Erbe Herzls hochhält, so müssen wir an das Dichterwort erinnern, das da sagt: .,Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!"' Wir können nur sagen: Mehr Arbeit und viel Arbeit! Wir lassen uns dadurch nicht abschrecken, daß behauptet wird, es wird vielerlei begonnen; es muß vielerlei begonnen werden. Auch müssen wir dagegen protestieren, daß man gewagt hat, diesen Mann (Warburg) und seine Arbeit als einen Spieler und als Spielerei zu bezeichnen. Wir können es nicht glauben und wollen es nicht glauben, daß das aus Bosheit geschehen ist. Aber wie soll ich nur sagen, „ans Schikane" ist gewiß nicht parlamentarisch, daher sage ich „aus Nervosität", [ch glaube also, daß wir auch dagegen auftreten müssen; gewiß, verlangen wir einen stillen Zionismus. (Vizepräsident Dr. Bodenheimer gibt das Glockenzeichen.) Herr Präsident, ich hätte die Möglichkeit gehabt, hebräisch zu sprechen, dann hätten Sie übersetzen lassen müssen, dann wären diese fünf Minuten, die ich noch brauche, darauf aufgegangen. Etwas Spiel treiben, hat auch seine Berechtigung, aber was in Palästina geleistet wird und als Spiel erscheint, ist Brot und Spiel; gerade so, wie es im alten Rom hieß: Panem et circenses. so sagen wir, was Sie als Spiel erklären, ist Brot, und darum erklären wir: Setzen Sie diese Arbeit in Palästina mit verstärkter Kraft fort, damit auch