Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 200)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 200 — Gehirn eines besonders witzigen Menschen stammt, sondern eines Mannes, der sich in Übereinstimmung mit den großen Gesetzen der Volkswirtschaft befindet, weil das Selbstinteresse die Individualität entfaltet und die Genossenschaft die Individualitäten zusammenhält, weil die ewige Grundlage aller Volkskraft und Volksmacht zur Basis dieses Unternehmens genommen wird. Wir Menschen sind keine Uhrmacher, wir können keine Staaten fabrizieren, wir können nur gute Gärtner sein, die einen Fruchtkern pflanzen und ihn vor Schädlingen schützen, bis er zu einem schattigen Baume herangewachsen ist. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Nichts anderes rate ich Ihnen. Es wurde hier am ersten Tage in leidenschaftlichen Diskussionen verächtlich von der Kleinkolonisation gesprochen. Ja, wenn'es sich darum handelt, die armen jüdischen Zionisten Meier und Schulze und Lewi, woher sie stammen, zu wohlhabenden Männern zu machen, sage ich, das ist vielleicht meine Privatangelegenheit, aber nicht meine zionistische Angelegenheit. Wir sind kein Wohltätigkeitsverein. (Lebhafte Zustimmung.) Wir sind kein Wohltätigkeitsverein, das kann ich außerhalb meiner Parteitätigkeit tun; und wenn es sich nur darum handeln sollte, 20 Arbeiter zu Bauern zu machen, so erkläre ich, ich für meine bescheidene Person hätte etwas wichtigeres zu tun. Wenn ich in langem Nachdenken — Sie haben mir ja Zeit gelassen nachzudenken (Heiterkeit) — in immer fortschreitender wissenschaftlicher Arbeit seit 1903 mir einen etwas größern Eesonanzboclen verschafft habe, und wenn ich heute mit demselben Vorschlage komme, mögen Sie die Überzeugung mitnehmen, daß ich an die Sache noch immer glaube. (Lebhafter Beifall.) Ich will nicht weiter auf die Organisation eingehen, hoffentlich ist es mir gelungen, Sie zu überzeugen, daß es sich nicht um ein Betteln für die schönste Wohltätigkeitssache handelt, nicht um eine Ölbaumspende; oder eigentlich doch um einen Ölbaum. Wir Avollen den Ölbaum des jüdischen Volkes selbst wieder ins Land pflanzen, keinen Herzlwald, einen einzigen Baum, aber der soll so hoch wachsen, daß er das ganze Land überschattet vom Libanon bis zum Jordan. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich bin ein ehrlicher Mensch (Heiterkeit) und will Ihnen nicht verhehlen, daß das, was wir versuchen wollen, scheitern kann. Die Schwierigkeiten sind ungeheuer, ich habe das nie verliehit und avüI es auch heute nicht verhehlen, die Schwierigkeiten sind ungeheuer groß, in unerprobtem Lande, mit unerprobten Menschen unter politisch unsichern Verhältnissen zu arbeiten. Es gilt, das Land zu suchen, das sich eignet, es gilt, Menschen zu finden, die die Leitung haben, es gilt Menschen zu .finden, die sich unterordnen wollen zu gemeinsamem Werke. Das sind kolossale Schwierigkeiten, die niemand höher schätzt als ich, es ist ein hoher Preis, aber wir setzen ihn an ein hohes Ziel, und das sollen Sie begreifen. Sie sollen begreifen, daß selbst ein Mißerfolg nichts anders bedeutet, als eben von vorn anfangen. (Lebhafte Zustimmung.) Verfügten wir über die Millionen der Ica, so wäre ich des Erfolges sicher, denn wir würden an sechs Stellen zugleich ansetzen, und ich gebe meinen Kopf zum Pfände, und der ist mir ziemlich lieb, daß drei oder vier Stellen glänzend glücken würden. So stehen uns nicht nur die Schwierig-