Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 199

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 199 (sequence 199)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3476254-3476272--3229-3479370
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 199.— tiver ist, der Großbetrieb oder der Kleinbetrieb. Lange schien sieh die Wage zugunsten des Großbetriebs zu neigen. Der Großbetrieb kann eine intelligente Leitung bezahlen, er kann sieh der Maschinen im größten Maßstabe bedienen, er spart sehr viel an Gebäuden, denn 20 kleine Scheunen und Ställe kosten sechsmal soviel, wie ein großer Kaum. Er spart sehr viel Land an Grenzrainen usw. Das sind ungeheure Vorteile, und man glaubte lange, daß der Kleinbetrieb diese Vorteile nie würde erreichen können. Inzwischen hat sich das Bild verschoben. Die Arbeitsleistung der Hintersassen des Grundeigentums des Großbetriebs ist allmählich so herabgesunken, daß der Betrieb nicht mehr die Rentabilität des Bauernbetriebs hat. Denn hier tritt das Interesse des Eigentümers, das heilige Selbstinteresse des Liberalismus, mit solcher Kraft in die Schranken, daß alle Vorteile des Großbetriebs heute schon überkompensiert werden. Und nun, meine Herren, kennen wir eine ganz kleine Anzahl von Großbetrieben, in denen das Interesse der Arbeiter selbst, die entweder Gewinnbeteiligte oder Associes des Betriebs waren, eine nahezu so hohe Arbeitsintensität erreicht hat wie im Kleinbetrieb, und da hat sich gezeigt, daß nicht der Kleinbetrieb oder der Großbetrieb das rentabelste sind, sondern der Großbetrieb mit der Arbeitsleistung, die der des Kleinbetriebs gleichwertig ist. Ich habe bestimmte Anhaltspunkte für die Schätzung, meine Damen und Herren, daß schon in der allerersten Zeit die Roherträge eines genossenschaftlichen großen Gutes im Durchschnitt mindestens um 50° () höher sein werden als die eines normalen großen Gutes, und ich' habe ebenso bestimmte Anhaltspunkte für die Schätzung, daß der vermeidbare Verbrauch an totem und lebendem Inventar auf kaum weniger als ein Zehntel des heute vorkommenden herabsinken wird. (Hört, hört!) Wir können von solchen Betrieben, wenn sie erst in Ordnung sind, eine Rentabilität erwarten, die der bäuerliche Betrieb zunächst niemals haben kann, und wenn wir das erreichen, meine Damen und Herren, dann haben wir das geschaffen, Avas ich Ihnen seit Beginn meiner zionistischen Tätigkeit zu schaffen rate: die Kreditbasis, die wir brauchen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Dadurch unterscheidet sich eben das, was ich von Ihnen verlange, von allem andern, was Sie jemals liier erlebt haben. Wir wollen der Schnorrerei ein Ende machen, wir brauchen Milliarden, um unser Ziel zu erreichen, mindestens Hunderte von Millionen. Wir brauchen ein Meer von Geldern, in dem die paar tausend Pfund Sterling unseres Nationalfonds und des J. C. T. wie ein Tropfen im Ozean verschwinden. Das können wir geborgt bekommen im Laufe der Zeit, wenn wir nachweisen, daß wir es verzinsen und zurückzahlen werden. Mir sind in aller Kolonisation am allerliebsten immer die Engländer gewesen mit ihrem nüchternen Kopf und ihrer ruhigen Berechnung, die an die Dinge herangehen wie nüchterne, ruhige Kaufieute, nicht mit Hurra und Uniformen und Fahnenhissen. Die haben nur eine Frage, die wir bei aller Begeisterung für unsere Ziele nie vergessen sollen: Wird sichs rentieren? Diese Frage müssen auch wir uns stellen. Keimandere. Die Ihnen vorgeschlagene Unternehmung bietet, wenn sie gelingt, die Gewähr, sich aus eignen Kräften ohne weitere Förderung durchzusetzen und auszubreiten. Das ist der Ihnen vorgelegte Plan, der nicht etwa aus dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.