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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 196

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 196 (sequence 196)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 196 — hier um Gedanken handelt, die durchaus nicht die meinen sind, sondern dieden besten Extrakt 200jähriger wissenschaftlicher Arbeit darstellen, von der ich nur die letzte Creme abgeschöpft habe, daß hier mehr vorlag, als eine rein jüdische oder ostjüdische Frage, daß es sich hier um die Lösung viel weiterer Fragen handelt. Er hat gewußt, daß das, was wir in Palästina zu machen hatten, ein Vorbild sein sollte für die Menschheit, damit die alten Prophezeiungen wahr werden, die von unserm Volk sagen, daß es zerstreut worden ist, um auf seinem Leidensweg der Welt Erlösung zu bringen. (Lebhafter Beifall.) Heute stehe ich wieder vor Ihnen, die Reihen sind kleiner als damals (Rufe: Leider!), und ich komme zum letzten Male, nicht um zu schnorren, nicht um zu betteln, sondern um zu fordern. Ich komme, um zu fordern, Avas Ihre Pflicht und Schuldigkeit ist dem Schatten des Mannes gegenüber, der sein Wort mir verpfändet hatte, ich komme, zu fordern, was Ihre Schuldigkeit ist gegen mich, der ich mich in Ihre Dienste gestellt habe, ich fordere, was Ihre Schuldigkeit ist gegenüber denen, die Sie hierher geschickt haben, gegenüber dem ganzen jüdischen Volke, das auf Sie blickt. Ich habe nicht die Neigung, das, wras ich in diesen 7 Jahren unendlich, mir selbst zum Überdruß wiederholt habe, nochmals zu wiederholen. Was wir wollen und was jetzt, soweit ich sehen kann, die gesamte Leitung mit mir will und immer gewollt hat, das ist die genossenschaftliche Kolonisation. Man hat mich gefragt: Haben Sie an den jüdischen Individualismus gedacht'? Wird sich dieser mit der genossenschaftlichen Kolonisation befreunden? Ich habe darauf geantwortet: Ich kenne nur eine Vollendung des Individualismus, das ist die Genossenschaft. Nur in der Genossenschaft, nicht im Kommunismus, nicht in dem, was Sie irrtümlicherweise Sozialismus nennen, nicht im Kollektivismus, kann der freie Mensch atmen, kann die eigenartige Individualität des jüdischen Arbeiters gedeihen. Aber in der Genossenschaft gibt sie keine Freiheit auf, sondern gewinnt neue Freiheit. Gerade weil ich selbst eine Individualität zu sein hoffe, erblicke ich in der Genossenschaft die Bereitung des Feldes für die Ausbildung der Individualität. Ich empfehle keinen Plan, der Menschen zu Sklaven macht und Ketten schmiedet. Wir wollen Ketten brechen, nicht neue schaffen. (Lebhafter Beifall.) Hier wird immer wieder die Frage aufgeworfen: Was wollen wir in Palästina schaffen: Industrie oder Bauern? Beides wollen wir schaffen, mit allen Mitteln, die existieren, mit jeder Methode, die überhaupt möglich ist. mit erprobten und unerprobten Mitteln. Aber wenn Sie ein Volk ansiedeln wollen als eine gleichmäßig organisierte Masse, wenn Sie ein Land schaffen wollen, das sicher ist vor jeder fremder Invasion, sicher in politischer und wirtschaftlicher Beziehung, da predigt Ihnen die Weltgeschichte einen einzigen Satz, und der muß unheilbar blind sein, der dieses wichtigste Gesetz der Welt- und Wirtschaftsgeschichte nicht sieht: Wer Städte, schaffen .will, muß Bauern schaffen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Freie Bauern, das bedeutet dichte Bevölkerung, reiche Städte, blühende Industrie, lebhaften Verkehr; und in dem Lande, das von Bauern frei ist, wo das große Grundeigentum dominiert, dort finden wir schwache Städte, Verdummung unten, Ver-

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