Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 192)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 192 — haben, wie Mündelgelder behandelt werden sollen. Aber das Mündel, verehrter Kongreß, "ist der Zionismus. Das Mündel ist Palästina. Für dieses Mündel haben diese Gelder verwendet zu werden. Soviel uns.bekannt geworden ist? hat die Arbeit in Palästina noch keine Verluste gebracht. Anderswo mögen wohl Verluste gewesen sein, aber in Palästina ist noch kein Heller verloren worden. Wir müssen vor allem uns klar machen und es festlegen und das E. A. C. darauf verpflichten, daß es die Gelder der Kolonialbank, die für Palästina gesammelt werden, nicht zusammenhalten und zuwarten soll auf den großen Augenblick, der einmal kommen wird, sondern daß es sie sobald als möglich nach Palästina zu tragen und dort mit ihnen zu arbeiten hat. (Beifall und Händeklatschen.) Ich schließe damit: Wir werden wohl auf einen großen Augenblick warten, aber nicht tatenlos; wenn wir diesen großen Augenblick nicht mit eigener Kraft näher bringen können, so werden wir doch inzwischen arbeiten für die Gegenwart und für die Zukunft. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Delegierter Kaplansky (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Verehrter Kongreß! Ich will hoffen, daß die gestrige Debatte nicht der Höhepunkt des Kongresses gewesen ist, und daß die verehrten Delegierten sich dessen bewußt sind, daß die Arbeit des Palästiriaresorts und die Palästinafragen, die heute auf der Tagesordnung sind, die idee maitresse, der leitende Gedanke des ganzen Kongresses sein sollen Ich glaube, die bisherigen Debatten haben gezeigt, daß der Kongreß immer in Gefahr ist, im Sumpfe des bürgerlichen Parlamentarismus zu bleiben. Die großen Ideen, die alle Redner gestern verlangt haben, — ich glaube, sie können bei der heutigen Debatte zum Ausdruck kommen. Ich bitte den Kongreß, es mir nicht als eine Anmaßung anzurechnen, wenn ich sage, daß ich mir hier das Wort erbeten habe, um eine gute,, eine große Idee zu verteidigen. So groß halte ich den Gedanken, den ich hier vertreten will, daß ich nur in den einfachsten Worten von ihm sprechen kann. Aus dem Berichte des Herrn Professor War bürg entnehmen wir, daß die Palästinaarbeit der zionistischen Organisation in zwei. Teile zerfällt: in eine Industrieförderungspolitik und in eine Agrarpolitik. Uber die Industriepolitik der zionistischen Organisation will ich .liier nicht viel sprechen. Denn es unterliegt keinem Zweifel, daß es den ökonomischen und geographischen Bedingungen des Landes Palästina sowie den natürlichen Neigungen und Fähigkeiten des jüdischen Volkes entspricht, die industrielle und Handelsarbeit in Palästina in Angriff zu nehmen, und daß diese Arbeit und ihre Zukunft gesichert sind. Ich glaube, kein Mensch in diesem Kongresse zweifelt daran, daß das jüdische Volk imstande ist, das wirtschaftlich führende Element in der Industrie und im Handel Palästinas zu werden. Die moderne Wirtschaft ist aber nicht nur eine Kreditwirtschaft, sodern sie ist auch in erster Linie eine Verkehrswirtschaft, und ich hätte den Wunsch, daß das Palästinaressort sich nicht bloß damit begnügt, die Kreditinstitute und die Kreditorgane der zionistischen Organisation in Palästina zu entwickeln, sondern daß es. auch sein Augenmerk auf eine vernünftige und zweckdienliche Verkehrspolitik Helltet, und daß es eine ganze Reihe von Arbeiten in Angriff nimmt und eventuell Gesellschaften zu organisieren sucht, um Verkehrsunternehmungen. natürlich mit jüdischen Arbeitern, in Palästina und den Nachbarländern durchzuführen. Allein die aktuellste Frage des Kongresses und der nationalen Kolonisation Palästinas ist und bleibt die Kolonisationsmethode und die Agrarfrage (lebhafter Beifall), weil die Widerstände, die der Besiedlungsarbeit entgegenstehen, bedeutende sind, Aveil wir vor dem schwierigen Problem stehen, ein Volk, das zweifelsohne Jahrhunderte hindurch sich nicht mit der Landwirtschaft befaßt hat, dazu zu erziehen; aber darin besteht das Problem nicht allein. Man muß zwei Elemente in der Besiedlungsarbeit Palästinas unterscheiden. Wir unterscheiden zwischen besitzenden Einwanderern und besitzlosen. Ich glaube, darüber gibt es hier keinen Widerstreit der Mei-