Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 191)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 191 — diu-philanthropischen Kolonisationsarbeit, die wir neidlos der A.I.K. 0., und wie die Organisationen alle heißen nögen, überlassen. Wir arbeiten nicht für die, armen Juden, wir arbeiten für das Judentum, für die Juden schlechthin. Das ist Zionismus. (Lebhafter Beifall.) Nun sagt man uns aber, die Kleinarbeit in Palästina erfordere viel zu lange Zeit, um ans Ziel zu gelangen. Es gibt aber keinen kürzern Weg! Wenn ich auch der Ansicht wäre, daß die Politik als Mittel, — ein Zweck schlechthin ist ja Politik nicht. — ein zuverlässigeres, brauchbareres, aussichtsreicheres Mittel ist, als es tatsächlich ist, so möchte ich doch sagen, mit Politik allein bringt man kein Land zustande, mit Politik allein gründet man keine Städte und Provinzen: Menschen müssen da sein, ohne Menschen können wir mit dem Charter oder mit einem Parlamente nichts anfangen. Ich bin leider kein Kaufmann. — ich wünschte, ich wäre einer. Und man wird wieder sagen können: Du verstehst nichts von Geschäften. Aber der Jude ist immer irgendwie verwandt mit der Kaufmannschaft, und gestützt auf diese Verwandschaft möchte ich hier auch in Geschäften mitsprechen. Ich weiß, es ist nicht gut, wenn man vor aller Welt sagen wird: unser einziges Ziel, unsere vornehmste Aufgabe ist: Land zu erwerben in Palästina. Es ist nicht gut, wenn der Kaufmann in alle Welt hinausposaunt: ich will kaufen. Das erhöht den Preis. Aber trotzdem müssen wir es so laut als möglich aussprechen,' das ist unsere einzige, unsere allergrößte Aufgabe. Wir müssen Wurzel fassen im Wirtschaftsleben des Landes. Ich glaube, die Herren Kautieute in der Leitung und am Kongreß werden es mir nicht übel nehmen, wenn ich aus meinen theoretischen nationalökonomischen Studien heraus ein Urteil in Wirtschaftsfragen mir erlaube. Im Wirtschaftsleben, kann man sagen, besteht ein gewisses Gesetz der Anziehung, das vielleicht in folgender Weise formulierbar wäre: Ein wirtschaftliches Zentrum, das irgendwo geschaffen wird, übt seine Anziehungskraft nicht in einfachem, sondern quadratischem oder gar in kubischem Verhältnisse aus. Wenn man z. B. 10 Leute nach Palästina bringt, heißt das nicht, daß sie 10 andere heranziehen werden-, sondern andere 100 und 1000. Solche Zentra müssen wir haben. Wir müssen Tausende hereinbringen, damit sie Hunderttausende erst heranziehen können. Das ist unsere Aufgabe. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es ist gestern aus autoritativem Munde das Wort hier gefallen: — es wollte, ein prachtvoll geprägter Schlager werden — „Warten ist ein Kummer, Warten ist keine Schande." Ich 'möchte aber sagen: Untätiges Warten ist eine Schande. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Dann will ich Ihnen noch sagen: Untätiges Warten kann noch schlimmer werden — es kann ein Schaden werden. Man kann uns alles vorwegnehmen. (Lebhafte Zustimmung.) Vergessen Sie eines nicht. Es ist heute nicht mehr die Zeit, wie sie einmal gewesen ist, daß wir aus Europa nach Palästina Einzelne als Pioniere hinschickten. Heute kommen die Pioniere zu uns aus Palästina. Können Sie ermessen, wie groß die Werbekraft ist, wenn ein kleines Kind aus Palästina kommt und Hebräisch lallt, haben Sie den Zauber gesehen, wie so etwas gleich herumgetragen wird, und was für Macht das auf die Gemüter ausübt"? Diese Pioniere müssen wir dort großziehen. Heute ist schon Palästina eine solche Pflanzstätte von nationalen Pionieren. Das müssen wir uns immer vor Augen halten. Darf ich auch ein Wort über die Bank sprechen? Ich fürchte den Vorwurf meines Kabbinats. Aber immerhin: das Pabbinat ist ja schließlich auch nur ein Kummer und keine Schande. (Lebhafte Heiterkeit. — Dr. Tschlenow: Bei manchen Rabbinern ist es für die Zuhörer ein Kummer! —Erneute Heiterkeit.) Ich begreife sehr wohl, und wir werden es alle dem Präsidenten unseres E. A. C. danken, daß er tatsächlich eingeführt hat, daß die Gelder der Kolonialbank, die nicht unsere Millionäre, sondern die Ärmsten geschaffen