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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 190

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 190 (sequence 190)
Language
German, English, Hebrew
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— 190 — Vizepräsident Dr. Bodenheimer (unterbrechend): Herr Doktor, ich mache Sie aufmerksam, daß Ihre Zeit um ist, ich bitte, zu konkludieren. Delegierter Dr. Hausmann (fortfahrend): Dieses System, welches sich bewährt hat, — das kann festgestellt werden, — soll studiert werden. (Vizepräsident Dr. Bodenheimer gibt das Glockenzeichen.) Ich enthalte mich jetzt, über das Agrarprojekt zu sprechen, weil ich die Einzelheiten nicht kenne, und betone nur, daß die zwei Hauptpunkte festgehalten werden: Ankauf von Boden und Schaffung eines Metayagefonds. Mein Antrag lautet: „Es wird dem E. A. C. der Auftrag erteilt: erstens die Frage des Ankaufs von Uniandboden in Palästina, welcher durch Investitionen erst urbar zu machen ist und sieh zum Ankauf durch Privatpersonen oder -Gesellschaften nicht eignet, durch den Nationalfonds zu studieren; zweitens die Frage der Schaffimg eines zionistischen Metayagefonds, zu studieren; drittens über beide Fragen dem Großen A. C. binnen einem Jahre Bericht und Vorschläge zu erstatten." Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Es liegt ein Antrag vor auf Schluß der Rednerliste, die mittlerweile auf 83 Redner angewachsen ist. Von den Rednern werden Anträge gestellt, und jeder dieser Anträge bildet Veranlassung zu einer Spezialdiskussion. Selbstverständlich bekommen diejenigen, die zu einem der Anträge sprechen wollen, das Wort vor der Abstimmung über die betreffenden Anträge. Ich leite nun die Abstimmung auf Schluß der Rednerliste ein und bitte, den Mittelgang freizustellen. Wer für Schluß der Rednerliste ist, bitte ich, die Hand zu erheben. (Geschieht.) Gegenprobe. (Dieselbe erfolgt.) Angenommen. Das Wort hat nun der Herr Delegierte Dr Thon. Delegierter Dr. Thon: Hochverehrter Kongreß! Es ist mir eine ganz besondere Freude, daß ich am Neunten Kongreß nochmals zum Worte komme, und ganz besonders bei der Zentralfrage des Kongresses, beim Palästinaressort. Als ich letzthin zu Ihnen sprach, wurde mir gerade das Wort abgeschnitten an einem Punkte, wo ich zu den positiven Folgerungen aus meiner Kritik übergehen wollte, und ich möchte nicht selbst mit dem Eindruck zurückbleiben und auch nicht diesen Eindruck im Kongreß hinterlassen,, als ob die Kritik au sich mir besonders angenehm wäre. Ich kenne größere Freuden, als dazustehen und zu kritisieren. Wenn wir etwas aussetzen müssen, tun wir es, aber gern geschieht dies, sicher nicht. Ich wäre sicherlich weit froher wenn ich hier hätte stehen können und wenn bei der allgemeinen Anerkennung, die ich der Parteileitung aussprechen mußte, ich noch hätte hinzufügen können, es sei nichts zu tadeln gewesen. Jetzt komme ich gerade zu dem, was ich am meisten auszusetzen hätte. Von allem Anfange an tadelte man es von mancher Seite, daß die zionistische Parteileitung die Palästinaarbeit nicht genügend pflegt, nicht genügend fördert. Die Tatsache wurde auch von berufener Seite durchaus zugegeben. Aber man verwies auf das Große, das bald kommen sollte, — der Charter oder so was ähnliches. Der politische Zionismus hieß auf die große Arbeit warten und wollte sich nicht in Kleinarbeit zerstückeln. Diese Phase des politischen Zionismus ist aber schon vorüber. Leider wurde auf diesem Kongreß wieder einmal der Unterschied zwischen praktischem und politischem Zionismus hervorgeholt. Ich hielt ihn für längst begraben. Es gab eine Zeit, — als der politische Zionismus geboren wurde, — wo man diesen Unterschied festlegen mußte. Damals gab es auch eigentlich nicht praktische und politische Zionisten, sondern nur philanthropische und politische Zionisten. Als das Wort „politischer Zionismus" geprägt wurde, war dies eine Neuerung und ein fruchtbarer Gedanke, der immer stärker unterstrichen werden mußte. Heute gibt es nur einen, und zwar einen politischen Zionismus, der auf das ganze Ziel lossteuert und Palästina im ganzen haben will, wenn auch durch Kleinarbeit. Heute gibt es nur einen Unterschied zwischen dem politischen Zionismus und

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