Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 189)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 189 — sie jedoch zur meritorisclien Erledigung nicht übergeben. Deshalb wird mein Vorschlag sein, daß meine Anträge dein E. A. C. zum Studiuni übergeben werden, und daß dasselbe den Bericht darüber dem Kleinen Kongreß, also dem Großen A. C, in einem Jahre übergibt. Es ist hier gesagt worden, wir müssen in der Arbeit fortfahren, weil wir nicht warten dürfen. Wir dürfen deshalb nicht warten, weil andere nicht warten Werden, und zwar hauptsächlich die Araber. Bei ihnen entsteht eine nationale Bewegung. Es ist dort etwas entstanden, das die Okkupation des Landes durch die Araber fester macht, und wir könnten einmal zu spät kommen. Es handelt sich, wenn wir in der Kolonisation fortfahren, um drei Sachen: 1. um den Bodenerwerl), 2. um das Menschenmaterial der Kolonisation, und 3. um die brauchbare Kolonisationsmethode. Mit dem Bodenerwerb in Palästina ist das eine äußerst schwierige Sache. Es ist vielleicht nicht gut, wenn man sich auf alles, was man sieh zum Kaufe anbietet, stürzen und jeden Boden kaufen würde. Es gibt Boden, der sich zum Ankaufe gar nicht eignet. Sie wissen, der Präsident hat von Opfern in Seclschera gesprochen. Diese Opfer hat eine verfehlte Art des Bodenerwerbs verursacht, welche darin bestand, daß man die bisherigen Besitzer vom Bodenverdrängte, ohne'daß sie das Äquivalent bekommen hätten, sondern andere Personen. In Palästina ist ein großer Teil des Bodens in den Händen der Effendis oder der Wucherer. Wenn man den Boden von diesen Leuten kauft, dann verliert der Fellache den Boden und bekommt nicht das Äquivalent. Das hat einen Todhaß und eine Feindschaft hervorgerufen, welche eine große Gefahr für die Kolonisation werden kann, was mir alle Kenner der Verhältnisse in Galiläa sicher bestätigen werden. Es ist also, — daran soll mit aller Kraft festgehalten werden, — nicht immer erwünscht, daß Boden von Privaten erworben wird. Aber es muß anderer Boden erworben werden, welcher nicht diesen odiosen Charakter trägt, ich meine Unland, Land, welches erst urbar gemacht werden soll. Solches Land kann von Privaten oder von einer Vereinigung von Privaten nicht erworben werden. Aufgabe des Nationalfonds ist es. nicht schlechtweg Boden zu erwerben, sondern Boden, welcher, sei es wegen seiner Größe oder größerer Investitionen, welche zu seiner Urbarmachang und Bewirtschaftung notwendig sind, sich zum Ankauf durch einzelne Personen oder Gesellschaften nicht eignet. Ein solcher Erwerb würde wahrscheinlich von der Türkei ebenfalls mit günstigen Augen angesehen werden. Es würde vielleicht kein glänzendes Geschäft für den Nationalfonds sein. Aber wer ist dazu da, Boden zu erwerben, ohne Feindschaft zu erregen, wenn nicht die Gesamtheit gewisse Opfer zu tragen entschlossen ist? Wenn der Nationalfonds hier sein Geld nicht verzinst, aber den Boden vergrößert, ohne Feindschaft mit den Arabern hervorzurufen, wird der Nationalfonds eine glänzende Aufgabe gelöst haben. Dies ist ein Vorschlag, der dem E. A. C. übergeben werden soll. Ein anderer Vorschlag bezieht sich auf das Kolonisationsmaterial. Es heißt immer, wir haben ein kolossales Kolonisationsmaterial, das ist nicht richtig, denn der Umstand, daß jemand auswandern und in Palästina leben will, der Umstand, daß jemand Ackerbau treibt, macht ihn nicht zum geeigneten Materiale. Aus der Art und W^eise, wie der Ackerbau betrieben wurde, sind ungeheure Verluste erwachsen. Es muß das Material erzogen werden, und zwar in Palästina selbst. Wir können auf die Erfahrungen zurückblicken, die andere gemacht haben, und die nach 20 Jahren zu einem Systeme gekommen sind, welches rationell ist; ich meine das System, das in unsern Kreisen nicht bekannt, aber wohl in Palästina bekannt ist, das Metayagesystem, welches die Ica und Kotschild in Galiläa eingeführt haben. Es würde zu weit führen, das Prinzip dieses Systems hier darzulegen; aber zwei Sachen will ich hervorheben. Das Prinzip beruht ciarauf, daß jene Kolonisten, welche auf den Boden aufgewachsen sind, oder Arbeiter, die dort gearbeitet haben, sich ansiedeln ...