Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 187)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476272--3217-3479358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 187 - Was ich hier wissen will, ist: Wem sollen wir glauben? Der Präsident des E. A. C, Herr Wolffsohn, der gestern in einer Eede, die eines Präsidenten durchaus nicht würdig war . . . (Unruhe und Zwischenrufe.) Vizepräsident Dr. Bodeiiheimer (unterbrechend): Ich weise den Ausdruck des Redners zurück und rufe ihn zur Ordnung. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Delegierter Dr. S. Daiches (fortfahrend): Der Präsident hat sich gestern in seiner Rede zum offiziellen Verteidiger von Co wen aufgespielt und seinen Kollegen Warburg zu Boden gestoßen. (Beifall und Widerspruch.) Wenn Warburg kein Geschäftsmann ist und nicht taugt, dann soll er gehen. Wenn Warburg kein Zionist ist, soll er gehen. (Schlußrufe.) Aber auch diejenigen, die Schluß rufen, wissen sehr wohl, was Herr Prof. Warb urg* für Palästina getan hat und tun wird. Wir wissen ganz genau, woher die Machinationen kommen. (Lebhafte Zustimmung.) Herr Dr. Nord au hat gestern eine Wahlrede gegen sich gehalten. Cowens Briefe sollten gegen Prof. Warburg als eventuellen Präsidenten Stimmung machen, — gestern gab Mr. Co wen in der englischen Landsmannschaft zu, daß dies der Zweck seiner Briefe gegen Warburg sei, — und Präsident Wolffsohn hat eine Wahlrede gegen Üssischkin, Stand und Tschlenow gehalten, — ergo Strich. Ich will an Sie eine einfache Frage richten: Wenn die Palestine Land Development Company wirklich so schlecht ist, und Herr Prof. Warburg nur als ein kleiner Spieler zu betrachten ist, und wenn Herr Co wen, der große Kaufmann Londons, wirklich kein Pfund für die P. L. D. C. geben will, dann ist es ein Verrat des Engeren und Großen Aktionskomitees, nur eine Handbreit Boden vom Nationalfonds der P. L. D. C. zu geben. (Beifall und Händeklatschen.) Was glauben Sie! Spielen Sie mit Kindern! Kommen wir her, um unsern Kopf und unser Herz hier einfach wegzugeben für Spielereien und Wahlmachinationen? Wir wollen für das Wohl unseres Volkes arbeiten. (Beifall und Händeklatschen.) Schlagen Sie nach in dem Berichte des Hauptbureaus des Jüdischen Nationalfonds. Da linden Sie auf Seite 10: Kinereth am Tiberiassee, eine Farm der P. L. D. C. auf Nationalfonds-Boden. Und wenn es nur eine Handbreit Boden ist, dann hätte Co wen nicht diese schmutzigen, schmachvollen Briefe an Prof. Warb urg schreiben dürfen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer (unterbrechend): Ich muß den Redner darauf aufmerksam'machen, daß er fortdauernd die parlamentarische Übung durch den Gebrauch von unzulässigen Ausdrücken hier verletzt. Ich möchte den Redner bitten, von der vollsten Redefreiheit Gebrauch zu machen, aber sich in seinen Ausdrücken zu mäßigen. Delegierter Dr. S. Daiches: Ich danke dem Herrn Vorsitzenden für seinen Zuruf und wünsche nur, daß gestern Präsident Dr. Nordau auch so als Vorsitzender gehandelt hätte. Dann hätten andere Reden auch nicht gehalten werden können. (Lärm.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich muß bemerken, daß ich in dieser Erklärung einen unzulässigen Angriff auf das Präsidium des Kongresses erblicke. Ich bitte, jetzt in Ihrer Rede fortzufahren. Delegierter Dr. Daiches (fortfahrend): Es liegt mir gar nichts daran, hier länger oder kürzer zu sprechen. (Ruf: Uns auch nicht!) Die Hauptsache ist, daß wir mit positiven Resultaten von diesem Kongreß nach Hause fahren und sagen können, der Zionismus ist uns erhalten geblieben. Bis jetzt sehe ich kein volles Zeichen dieser Möglichkeit. Für uns besteht die Hauptsache darin: Ist die praktische Arbeit in Palästina möglich oder nicht, ist die Arbeit Professor Warburgs gut oder nicht? Wir wollen bestimmt wissen, ist unser Kopf wirklich so dünn oder