Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 159)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 159 — aNacli der Proklamation der Verfassung glaubte man im türkischen Arbeitsministerium, daß die ganze Welt sich um Konzessionen für Banken, Eisenbahnen, Schiffahrts-Gesellschaften, Elektrizität, Bergwerke und andere große Unternehmungen förmlich reißen werde. Es regnete in der Tat Konzessionsgesuche Aber man verlegte sich auf kleinliches Diskutieren und sah die Hauptaufgabe in der Ausarbeitung möglichst strenger Lastenhefte. Man sammelte für die einzelnen Unternehmungskategorien die schwierigsten und lästigsten . Bedingungen, die irgendwo in der Welt auferlegt worden waren und vereinigte sie zu einem wohlgelungenen Ganzen, das aller Welt gefiel, nur nicht den Kapitalisten, die unter solchen Auflagen arbeiten sollten. So kam es, daß auf allen Gebieten der öffentlichen Arbeiten der Schwärm der Bewerber sich mehr und mehr lichtete. Es ist stille geworden von zahlreichen Gründungen, die noch vor wenigen Monaten in aller Munde waren. Geblieben sind nur wenige ausdauernde Bewerber solider Natur, die immer noch hoffen, daß die maßgebenden Faktoren Vernunft annehmen, oder schwindelhafte Existenzen, denen es auf einen einmaligen Vermittlergewinn oder Börsencoup, nicht aber auf die Begründung dauernd lebens- und leistungsfähiger Unternehmungen ankommt.u Aber doch sagt derselbe Artikel ferner: „Hier eröffnet sich ein Feld für eine Kulturtätigkeit allerersten Ranges. Aus Wüsteneien, die früher Paradiese waren, können mit Geld, Arbeit und Geduld wieder Paradiese geschaffen werden.a Betrachten Sie dieses nicht etwa als eine zionistische Redensart! Ich zitiere hier wörtlich einen Artikel der „Frankfurter Zeitung* vom 10. Juni dieses Jahres, und zwar einen Artikel der Handelsabteilung, (Hört, hört!) Der Artikel sagt zum Schluß: „Die Unternehmer und das Kapital, die sich an diesem Kulturwerk beteiligen, können auf die Dauer ihren Lohn finden. Aber es kann nicht genug betont werden, daß alles dies abhängig ist von Voraussetzungen, die im Augenblick größtenteils noch fehlen und die ohne Zeitverlust verwirklicht werden müßten, wenn nicht die natürlichen Schwierigkeiten einer Ära des Übergangs sich zu erdrückenden Hindernissen auswachsen sollen.* Abgesehen von den Hindernissen, von denen in diesem Artikel der „Frankfurter Zeitung<l die Rede ist, so bestehen für uns Juden noch besondere Hindernisse. Ich meine das Einwanderungsverbot in Palästina und die Schwierigkeit für Juden, dort Boden zu erwerben. Solange wir uns nicht frei im Lande unserer Väter niederlassen können, solange wir daran gehindert werden, den Boden, den wir bearbeiten wollen, unser eigen zu nennen, so lange werden die früheren Paradiese Wüsteneien bleiben, dem Ottomanischen Reiche nicht zum Vorteil!