Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 160)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 160 — Von einer liberalen Regierung erwarten wir, daß diese Hindernisse, diese Reste des früheren Regimes beseitigt werden. Dann werden auch die Kräfte in das Land kommen, die imstande sein werden, mit Geld, Arbeit und Geduld Palästina in ein Kulturland umzuwandeln. Die ottomanische Regierung möge sich davon überzeugen, daß die Juden überall, wo sie die vollen Bürgerrechte genießen, ihrem Lande treu sind. In den Ländern, wo das jüdische Familienleben sich normal entwickeln kann, da ist der Jude schon von Natur konstitutionell. Deshalb wird er es auch in Palästina sein. Wir wollen die Entwicklung des jüdischen Landes beschleunigen. Unsere Interessen gehen darin parallel mit denen der Türkei, (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich komme mit meinem Referat , zu Ende. Nur noch einige wenige Worte. Vor einigen Wochen kam mir ein Vortrag unter die Augen von Herrn Koenen, Lehrer an einer Reichs-Hochschule für Ackerbau-, Garten- und Waldwirtschaft in Holland. Er sagte u. ä. folgendes: „Die Industrie beruht schließlich zu einem großen Teil auf der Landwirtschaft. Sie kann sich nicht weiter entwickeln, als angegeben wird durch das Quantum Rohmaterial, welches die Landwirtschaft ihr liefert". „Zwar gibt es auch Industrien, die ihr Material nicht der Landwirtschaft entnehmen, z. B. der Bergbau. Jedoch der Bergbau ist Raubbau, die Landwirtschaft dagegen kann immer von neuem hervorbringen. * „In der Industrie sehen wir, daß die Zahl der Unternehmer immer geringer wird, aber die Zahl der Arbeiter wächst. In dem Großbetrieb werden die Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit immer schärfer. Bei der Landwirtschaft dagegen ist es gerade umgekehrt; dort nimmt die Zahl der Unternehmer immerfort zu." Ich bin mit meinen Ausführungen über die industriellen Möglichkeiten in Palästina zu Ende. Eine Großindustrie, so wie wir diese in den modernen Industrie-Zentren kennen, wünsche ich unserm Volke nicht. Ein ganzes Volk wollen wir wieder werden: die Landwirtschaft soll dafür die Grundlage sein. Dann werden wir aufbauen Industrie und Handel, Kunst und Wissenschaft. Und nach einem bösen Traum, der zweitausend Jahre gedauert hat, wird das jüdische Land wiederum sein ein Monument von ewiger Gerechtigkeit. (Lebhafter anhaltender Beifall und Händeklatschen.) Präsident Dr. Nordau: Ich habe Ihnen noch einige Mitteilungen zu machen. Eines unserer verdientesten und ältesten Mitglieder, Herr Barbas ch aus Odessa, ist durch Unwohlsein verhindert, am Kongreß anwesend zu sein, an welchem teilzunehmen er als Delegierter berechtigt ist. Er drückt uns in einem tiefbewegten Schreiben sein Bedauern aus, wünscht unsern Arbeiten Gedeihen und teilt uns mit, daß er zur Einschreibung aller Organe der zionistischen Organisation in das Goldene Buch 300 Rubel gestiftet hafc. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)