Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 154)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 154 — Ich habe zwar auch Maulbeeren als eins der Landesprodukte genannt, aber die Lust, sich mit der Seidegewinnung zu befassen, ist vorläufig bei den Kolonisten nicht besonders groß. Wegen der Baumwolle hat man sehr schöne Erwartungen; dagegen hatten die Versuche mit Tabak nur wenig Erfolg. Man muß immer im Auge behalten, welche Produkte in Palästina gut gedeihen, weil es doch schließlich der Boden ist, der alle Güter hervorbringt, aus denen die Industrie, wiederum das nötige Material entnehmen muß, um ihre Erzeugnisse herzustellen. Das Land muß darauf vorbereitet werden, daß es mit der Zeit den Bedürfnissen einer zunehmenden Kolonisation gewachsen ist. Dazu muß die natürliche Produktivität des Landes gesteigert werden. Die Industrie kann diesem Bestreben Vorschub leisten, z.B. wird die Industrie das Material für die Bewässerungs- und Drainageanlagen beschaffen, ebenso für die Anlage von Wasserleitungen. Große Projekte dieser Art sind schon vorhanden. Man denke nur an die Wasserleitung für Jerusalem, an die Bewässerung der Audja-Ebene und des Jordantales und an die Trockenlegung des Landes bei Huleh. Es ist dabei nur zu bemerken, daß alle diese Arbeiten große Kapitalien erfordern, die heute noch nicht für genannte Zwecke vorhanden sind. Auch muß man bedenken, daß vorläufig noch manches einer raschen Entwicklung der Industrie in Palästina entgegensteht. Z. B. wird in ganz Syrien und Palästina weder Kohle noch Eisen produziert. Diese müssen aus dem Auslande bezogen werden. Es fehlt an guten Transportwegen; ein Lichtpunkt dabei ist, daß die Herstellung derselben wiederum die Industrie beschäftigen wird. Die Arbeiter sind großenteils noch wenig geübt. Es fehlen manchmal technisch geschulte Werkmeister und technische Hilfsmittel. Alles dies kann mit der Zeit anders werden. Es muß Fürsorge getroffen werden, daß bei kleinen Störungen in der Wasser¬ oder Kraftversorgung ein ganzer Betrieb nicht auf Monate still liegen muß. Auch ist der niedrige Eingangszoll von nur ll°/o in Betracht zu ziehen. Wirtschaftliche Maschinen gehen sogar zollfrei ein. Wenn es also nicht wahrscheinlich ist, daß Palästina als großes Industrieland,"wie z.B. Belgien oder Sachsen emporkommen wird, so liegt doch gar kein Grund vor, warum nicht in Zusammenhang mit den Bedürfnissen einer zunehmenden Kolonisation, ebenso wie das in andern Ländern der Fall ist, sich ein industrielles Leben entwickeln wird, bei dem die Unternehmer eine sehr gute Existenz finden werden. Es ist nicht zu leugnen, daß bei gleicher Oberfläche ein Industrieland mehr Einwohner ernähren kann als ein Ackerbauland. Die Industrie beschäftigt die Arbeiter meistens sowohl im Sommer als im Winter, während beim Ackerbau die Arbeiter einen Teil des Jahres