Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 153)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 153 — Es dürfte wohlkein Bedenken haben, diesen Antrag anzunehmen. Präsident Wolffsohn: Ich habe nur das eine Bedenken: Wenn man einen derartigen Antrag einbringt, sollte man zuerst mit der Leitung über die Sache gesprochen haben (Beifall). Man soll eine so wichtige Sache nicht übers Knie brechen, denn es kann sonst etwas beschlossen werden, ohne daß der Kongreß 'weiß, was damit bezweckt wird. Ich glaube, Herr Syrkin hätte besser getan, wenn er mit der Leitung zuvor gesprochen hätte. Im Prinzip habe ich nichts dagegen, ich möchte nur mit Herrn Syrkin wenigstens über die Personenfrage sprechen. Präsident Dr. Nordan: Ich stelle den Antragstellern anlieim, sich mit Herrn Wolffsohn über diesen Punkt zu verständigen. Wenn dies geschehen sein wird, wird der Antrag in der nächsten Pause zwischen zwei Berichten eventuell zur Abstimmung gebracht werden. Das Wort hat nun Herr J. Kann als Berichterstatter über „Handel und Industrie in Palästina". Referat über Handel und Industrie in Palästina Berichterstatter J. H. Kanu (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Palästina ist ein Land, wo die Wirtschaftsstatistik noch gar nicht entwickelt ist. Wenn man sich also über Handel und Industrie informieren will, dann ist man für die Beschaffung von zuverlässigen Daten auf die Konsularberichte angewiesen. Diese Berichte enthalten viele Ziffern, die ich Ihnen heute nicht alle vorführen werde. Jeder, der dafür Interesse hat, kann sich diese Ziffern selber beschaffen. Daß Palästina ebenso wie in den frühern Zeiten auch in der Zukunft eine größere Bevölkerung wird ernähren können, davon sind wir überzeugt, wir wollen uns aber vergegenwärtigen, welche Rolle der Industrie dabei zufallen wird. Uni dabei richtig vorzugehen, müssen wir wissen, was das Land hervorbringt, denn die erste Bedingung für eine gesunde Industriewirtschaft ist, daß genügend und gutes Rohmaterial ohne große Transportkosten schnell herbeigeschafft werden kann. Der Boden Palästinas bringt bei guter Bewirtschaftung ausgezeichnete Erzeugnisse. Es ist ein vorzügliches Obst- und Gemüseland: Trauben, Orangen, Oliven und Mandeln, Aprikosen und Maulbeeren; Getreide und Bohnen gibt es in Erez-Israel. Ich habe hier nur die Hauptsachen aufgezählt. Man hat auch Versuche gemacht mit Baumwolle und mit Tabak. Ist das nun alles oder zum größten Teil Rohmaterial für die Industrie, oder sind es lauter solche schöne Sachen, daß man sie lieber genießen will, so wie der liebe Gott sie hat wachsen lassen? Für die Trauben trifft beides zu, die jüdische Kolonisation hat sich gleich von Anfang an ganz besonders um die Weinindustrie gekümmert. Es ist dies die einzige Industrie, die bis heute in großem Maßstabe die Kolonisten beschäftigt. Auch ist die Olivenöl- und die Seifenfabrikation zu erwähnen, die von den Juden, allerdings nur in kleinem Maßstabe, betrieben wird.