Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 147)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 147 — ist der letztere angenommen und, wie Sie wissen, durch Heranziehung der Mittel des Nationalfonds auch verwirklicht worden. Nun jetzt stehe ich gerade hier, um dasjenige zu befürworten, gegen das ich damals kämpfte. Dies soll Sie, meine Herren, nicht wundern. In diesem kurzen Zeitraum hat ein Ereignis von kolossaler Bedeutung stattgefunden: die Türkei ist ein Kechtsstaat geworden, ein Rechtsstaat, der wie alle andern der Kulturwelt leben will und darum die Einrichtungen dieser Kulturwelt bei sich einführen wollen und müssen wird. Diese Umwälzung hat vieles in unserer Arbeit geändert. Sie hat ihre Wege vereinfacht, unsere Sicherheit und unser Vertrauen dem Lande gegenüber gestärkt. Wir stehen jetzt vor der Möglichkeit, unsere kolonisatorische Tätigkeit unter viel günstigeren Bedingungen zu entfalten, als früher, und dadurch gleichzeitig den Bedürfnissen unseres bodenlosen Volkes, wie auch den Interessen des Landes und Reichs viel ersprießlicher zu dienen. Meine Herren! Wenn man das in den letzten 25 Jahren von den Zionisten und Palästinafreunden Geleistete betrachtet, wozu die unlängst gewesene Kattowitzer Feier, wie auch das Jubiläum von .Katrah genügend Veranlassung gaben, wird jeder objektiv denkende Mann zugeben, müssen, daß mehr erreicht worden ist, als man früher erwarten konnte. Viele wüste Stätten sind zu Kulturwinkeln umgewandelt worden; neue Kulturformen sind dem Lande zugeführt, wovon nicht nur die Juden, sondern auch die Araber Nutzen gezogen haben und ziehen werden. Neues Leben, neue Verkehrsformen sind auch in manchen Städten zu merken, was zu ihrer Entwickelung viel beigetragen hat und noch mehr beitragen wird. Doch, wenn wir das Bedürfnis unseres Volkes nach Kolonisationsmöglichkeiten und die Vorliebe, mit der unsere Brüder nach Palästina sich begeben möchten, in Acht nehmen und dabei die für die weitere Kolonisation geschaffenen Bedingungen gegenüberstellen, können wir. uns durchaus nicht befriedigt fühlen. Wir müssen uns umgekehrt sagen, daß Palästina bisher noch eine sehr unbedeutende Ablenkung des Emigrationsstroms bedeutet. Und was noch trauriger ist, daß das Wachstum in den letzten Jahren quantitativ häuptsächlich im städtischen Leben zu merken ist, viel weniger im ländlichen, während wir uns doch alle klar sind, daß das Aufleben unseres Volkes und des Landes, das den Inhalt unserer Bewegung bedeutet, hauptsächlich die ländliche Seßhaftmachung der Juden und die Bebauung des Landes erheischt. Warum haben wir die ländliche Kolonisation Palästinas nur in so kleinem Umfange vorwärts bringen können? Haben Land oder Leute, das Kolonisationsobjekt oder das Kolonisationsmaterial, daran schuld? . Ich kann mich jetzt nicht in weite Erörterungen einlassen; habe aber das Recht, anzunehmen, daß hier uns allen die Ver- 10*