Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 144)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 144 — Auch die Zentralbibliothek in Jerusalem verdient in hohem Maße unsere Aufmerksamkeit und ist wert, von uns im Verein mit andern Institutionen zu einer wirklichen jüdischen Nationalbibliothek ausgebaut zu werden. Sie enthält dank den Bemühungen unseres unermüdlichen Gesinnungsgenossen Dr. Chasanowitsch in Bialystok schon eine hervorragende wertvolle Sammlung jüdischer Druckwerke (lebhafter Beifall und Händeklatschen), deren Besitzrechte er notariell dem Nationalfonds übertragen hat. (Lauter Beifall.) Die Unterhandlungen bezüglich der Begründung einer leistungsfähigen Organisation zum Unterhalt und ^ur Leitung der Bibliothek sind in erfreulichem Fortschreiten begriffen und werden wohl, wenn nicht alles trügt, schon bald zu einer gedeihlichen Entwicklung der Bibliothek führen. Wird so hoffentlich mit der Zeit für die Hochzüchtung echten und freien jüdischen Geistes gesorgt werden, so wird es schon jetzt unsere Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß der Geist auch in einem gesunden Körper wohnt. Während philanthropische Gesellschaften für Hospitäler und Krankenbehandlung in Palästina sorgen, wollen wir die Vorbeugung, Prophylaxe und Hygiene auf unser Panier schreiben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Gesunde Wohnungen, Ausrottung des Fiebers durch Assanierung, Verbesserung des Klimas durch Aufforstung, Seuchenbekämpfung, gutes Trinkwasser, gute Milch für die Kinder, all das zu schaffen, das ist unsere Aufgabe. (Lebhafter Beifall.) So hat die zionistische Organisation denn auch zur Feier des 60jährigen Geburtstages unsers hochverehrten Nordau (Beifall und Hochrufe) beschlossen, ein hygienisches oder, wie es auch bescheiden genannt wird, mikrobiologisches Institut (lebhafter Beifall) zu gründen, für das schon eifrig gesammelt wird. Möge bald der Fonds beisammen sein, um den Bau beginnen zu können. Schon wird der Platz ausgesucht, und die Baupläne sind in Vorbereitung; ideal gesinnte Männer zu finden, die ihr Wissen und Können in den Dienst dieser edlen Sache stellen, wird nicht schwer sein. Der Besten einer, gleichzeitig der Führer unserer jüdischen Turnbewegung, Dr. Georg Arndt in Berlin, der sich mit wahrhafter Begeisterung den Vorarbeiten zu diesem Institute widmete, wurde uns leider jüngst durch den Tod entrissen. Ehre seinem Andenken! (Die Versammlung erhebt sich.) Aber andere werden in die Bresche treten, und wir werden, daran ist nicht zu zweifeln, hoffentlich recht bald in Palästina etwas schaffen, das im Orient vorbildlich wirken wird. Aber dürfen wir die Unglücklichen vergessen, die in den Ländern des großen Ghettos leiden, weil sie Juden sind? Müssen wir uns nicht der Opfer der Pogrome erinnern, und sollen wir nicht auch Linderung dieser Tränen mit unsern heiligen Aufgaben in Verbindung bringen dürfen? Wenn wir in den Zeiten der Not und der Trübsal