Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 140)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 140 — die darauf siehenden Gebäude: das lebende Inventar bietet hingegen nur eine sehr zweifelhafte Sicherheit. Bisher ist das Land nur als Ganzes zu verpfänden, das türkische Recht kennt keine teilbaren Hypotheken. Aber über kurz oder lang wird zweifellos auch dort ein Hypothekenrecht eingeführt werden, das demjenigen der altern Kulturstaaten ähnelt. Ein zweites Hindernis lag bisher darin, daß das türkische Recht nur physische, keine juristischen Personen kennt, so daß sich jede Gesellschaft zum Abschluß rechtsverbindlicher Geschäfte der Namen lebender Personen bedienen mußte. Dies macht natürlich jede Art Beleihung durch unsere Institutionen recht schwierig. Aber auch hier wird vermutlich schon bald durch das türkische Parlament Abhilfe geschaffen werden. (Beifall.) Ist dies geschehen, so wird der Gründung eines Agrarkreditin stituts ein prinzipielles Hindernis nicht, mehr im Wege stehen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Daher hat denn auch das Aktionskomitee beschlossen, dieser Frage schon jetzt näher zu treten und hat eine Kommission eingesetzt, die in dieser Hinsicht zu positiven Ergebnissen gelangt ist und ihre Vorschläge dem Kongreß nachher unterbreiten wird. Daß die zuerst doch sicher nicht allzugroßen Mittel eines solchen Instituts schon alsbald passende Verwendung finden werden, unterliegt keinem Zweifel. Einerseits gibt es schon in Palästina sowie überhaupt im türkischen Reiche eine Anzahl Juden, welche sich gern der Landwirtschaft widmen wollen 'und auch über genügend Mittel zum Landkauf und Hausbau verfügen, denen aber die Betriebsmittel fehlenanderseits gibt es in Osteuropa, in Rumänien, Ungarn, Galizien, aber besonders in Rußland, Tausende und Abertausende, welche von Herzen gern ihr klägliches Leben im Ghetto gegen ein gesundes Landleben in Palästina vertauschen würden, wenn sie die Hoffnung hätten, nachdem sie mit ihrem kleinen Kapital sich eine Scholle Landes gekauft haben, auch den zum Betrieb nötigen billigen Kredit zu erhalten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vor allem aber kann man auf viele tausend Bewohner der südrussischen jüdischen Ackerbaukolonien rechnen, welche die Landwirtschaft anerkanntermaßen besser betreiben als ihre russischen Nachbarn (lebhafter Beifall und Händeklatschen), aber durch eine grausame Regierung verhindert werden, Land hinzuzukaufen, um für ihren Nachwuchs sorgen zu können. So würden wir also imstande sein, mit Hilfe unserer Ameliorations-, Parzellierungs- und Ansiedlungsgesellschaft, der P. L. D. C. einerseits, des Agrarkredits anderseits, eine Kolonisation einzuleiten, wie sie der Orient noch nicht gesehen hat (lebhafter Beifall und Händeklatschen), wie sie aber bei uns, namentlich in Deutschland, sich schon seit Jahren gut bewährt hat. Hat doch allein die preußische Ansiedlungskommission in den Ostmarken innerhalb 22 Jahren (1886—1907) über 350 000 Hektar Land, ent-