Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 138)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 138 — Aaronsohn, der als Kind Palästinas und Sohn eines jüdischen Bauern gewiß ein berufener Zeuge ist, unlängst aus Amerika schrieb, — sogar der kalifornische Obstbau in vielen Beziehungen hinter dem unserer jüdischen Bauern in Palästina zurücksteht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Freilich, von Vollkommenheit sind wir in Palästina noch weit entfernt, und so wird denn die Gründung einer Lehrfarm, die schon 1904 von der Palästinakommission empfohlen und vom Aktionskomitee dem Prinzip nach angenommen, endlich im Jahre 1908 das Licht der AVeit erblickte, eine wichtige Etappe in der landwirtschaftlichen Entwicklung Palästinas bilden. Die im vorigen Jahre als englische Gesellschaft gegründete Palestine Land Development Company verfolgt bekanntlich den doppelten Zweck: in einer Lehrfarm die Arbeiter an rationelle Arbeitsmethoden, Ordnung und Disziplin zu gewöhnen, und ferner als Parzellierungs¬ und Ansiedlungsgesellschaft die innere Kolonisation des Landes Palästina mit jüdischen Bauern zu betreiben. Mit der ersten Aufgabe hat sie bereits begonnen, als sie über das hierzu nötige Barkapital verfügte. Vom Nationalfonds erhielt sie das schöne, am Südende des Tiberiassees gelegene Gut Kinereth in 98jährige Pacht gegen Aktien, so daß der Nationalfonds vorläufig noch weitaus der größte Aktionär der Gesellschaft ist. Wird abermals eine Summe von einigen tausend Pfund Sterling in Form von Aktien verkauft sein, so wird weiteres Land angekauft werden, das dann amelioriert und parzelliert werden kann. Auf diese Weise hoffen wir mit der Zeit auf ebenso rationelle Weise, wie seitens der preußischen Ansiedlungskommission und der Landbanken, Hunderte von blühenden Absiedlungen zu schaffen und Tausenden von jüdischen Bauern eine auskömmliche Existenz gewähren zu können. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Auch die beiden andern landwirtschaftlichen Postulate der Kommission 7ur Erforschung Palästinas 1904 sind in erfreulicher Weise der Verwirklichung nahe. Das eine ist die landwirtschaftliche Versuchsstation, die jetzt dank der Opferwilligkeit einiger wohlhabender palästinafreundlicher, wenn auch nichtzionistischer Stammesgenossen in Amerika, demnächst eingerichtet werden soll. Sie wird nicht nur der jüdischen Kolonisation, sondern dem ganzen ottomanischen Orient, ja, der ganzen Menschheit dienen. Gilt es doch, in methodisch-systematischer Weise, den Kampf gegen die Wüste aufzunehmen, die wilden Getreidearten, die, an der Grenze der Wüste in Palästina entstanden, in der Kultur eine einseitige Entwicklung nach der Wasserbedürftigkeit hin genommen haben, jetzt nach der andern Seite hin, nach der Ertragung noch größerer Dürren, planmäßig umzuzüchten. Das kann natürlich besonders leicht in einem Klima