Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 136)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 136 — ja nur eine sehr einseitige Arbeit sei in einem Lande mit so wenig kommerziellen Möglichkeiten, daß im Gegenteil alle Kräfte auf die Hebung der Landwirtschaft und des Gewerbes sowie der Industrie gerichtet werden müsse, und wenn man dazu noch nicht über große Mittel verfüge, so bleibe eben nichts anderes übrig, als im kleinen zu beginnen. Die Arbeitsmöglichkeiten in Palästina müßten dadurch vermehrt werden, daß man dafür größere Mittel zur Verfügung stelle. Diese Auffassung siegte denn auch auf dem Kongreß, und es wurde an Stelle der bisherigen Palästinakommission ein innerhalb des Engeren Aktionskomitees befindliches Palästinaressort gegründet, dem 25°/o der Einnahmen des Aktionskomitees zufließen sollten. Schon damals wurde auch ein Agrarfonds verlangt, ferner eine Agrikulturgesellschaft sowie eine Gesellschaft, um für ländliche Arbeiter Wohnungen zu errichten. Konnten diesePostulate auch noch nicht durchgesetzt werden, so wurde nach langen Debatten wenigstens beschlossen, bei der Anglo Palestine Company in Jaffa eine Abteilung für langfristige Kredite auf ländlichem und städtischem Boden zu errichten, welche auch das Recht besitzen solle, Boden zu kaufen und zu verpachten. Zu der Gründung einer Siedlungsgenossenschaft konnte sich der Kongreß gleichfalls noch nicht entschließen, hingegen wurde wenigstens das Palästinaressort beauftragt, diese Frage weiter zu studieren. Auch palästinensische Kulturfragen wurden im Anschluß an ein Referat über nationale Erziehung in Palästina erörtert, vor allem die Bedeutung der Pflege der hebräischen Sprache in Palästina, auch trat man aus diesem Grunde warm für das Hebräische Gymnasium ein. Zu praktischen Beschlüssen bezüglich dieser Fragen konnte es nicht kommen, da die zionistische Bewegung über keinerlei Fonds hierzu verfügte, und die Schekelgelder selbst für die gewöhnlichen Bedürfnisse der Organisation und ihrer Leitung kaum ausreichen. So wurde denn nur beschlossen, das Palästinaressort zu beauftragen, den Bildungsanstalten in Palästina seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und zu trachten, für deren Zwecke einen besondern Fonds zu schaffen. Das neu geschaffene Palästinaressort hatte also Aufgaben in Hülle und Fülle, nur die Mittel waren etwas spärlich zugemessen, denn neue Schekeleingänge waren erst im nächsten Jahre zu erwarten, und von Anfang war das Ressort mit erheblichen Schulden der frühern Palästinakommission belastet, die dadurch entstanden waren, daß letzterer stets nur ein Bruchteil der ihr zukommenden Subventionen aus Mangel an Mitteln wirklich ausgezahlt worden war. Der erste und bei weitem wichtigste Schritt zur Durchführung der vielen Aufgaben war die Schaffung eines Palästinaamtes in Jaffa. Dasselbe, bestehend aus einem Leiter und einem Sekretär, hat sich ausgezeichnet bewährt, und erst seitdem es in Funktion