Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 132)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 132 — Arbeit des Zionismus, auf der die Begeisterung für unsere Institute beruht, so wenig schätze. Das ist durchaus nicht richtig. Ich schätze die Begeisterung, die wir früher infolge des Charterismus, infolge unserer politischen Ideen gehabt haben, außerordentlich hoch ein. Trotzdem meine ich aber, daß, wie auch Herr Dr. Nordau gesagt hat, diese Entwicklung der Vergangenheit angehört hat, und ich muß durchaus auf meiner Ansicht beharren, daß jetzt das wichtigste Mittel zur Erlangung unseres Endzwecks, und zwar das einzige Mittel, die Erzielung der wirtschaftlichen Präponderanz in Palästina ist. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich sage damit nichts neues. Ich habe von Anfang an, seitdem ich der Bewegung angehöre, diesen Standpunkt immer verfochten, und habe meinen Eintritt in die Bewegung davon abhängig gemacht. Der Dritte Kongreß hat den Charterismus eingeführt. Solange der Charterismus herrschte, habe ich mich äußerlich nicht als Zionist manifestieren können. Ich habe den Schekel von Anfang an bezahlt, habe aber gesagt, ich kann praktisch nicht mitarbeiten. Erst nach dem Fünften Kongresse, als Herzl dazu gelangte, einzusehen, daß man in Palästina schon jetzt Vorarbeiten machen muß, sagte ich: Jetzt ist meine Zeit gekommen, jetzt kann ich mitarbeiten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Trotzdem habe ich die große Verehrung, die ich für den Ersten Kongreß gehabt habe, nie verleugnet, und bin auch stolz darauf, daß diese rein geistige, wenn auch irrtümliche Bewegung einen so praktischen großen Niederschlag erzeugt hat, wie dies in unserer Bank tatsächlich der Fall ist. In der Welt kommt es vielfach vor, daß eine falsche Idee die Mittel schafft, um nachher erst das richtige schaffen zu können. (Lebhafte Zustimmung.) Nach diesen Bemerkungen kann ich mich wohl meiner Hauptaufgabe zuwenden und über die Tätigkeit des Palästinaressorts sprechen. Ich möchte es aber nicht in einer trockenen Aufzählung tun. Sie haben ja in dem gedruckten Bericht die Daten erhalten. Ich möchte Ihnen vielmehr dieselben Sachen im Zusammenhange darstellen, wie sie sich geschichtlich entwickelt haben, und wie sie sich dann methodisch entwickelten. Ich bin zwar Botaniker, aber ich bin ein systematischer Botaniker (lebhafter Beifall und Händeklatschen), und bei einem Systematiker ist es verständlich, daß er seine Freude an einem ausgeprägten System, das keine Lücke aufweist, findet. Ein richtiger Systematiker empfindet eine Lücke ebenso schmerzhaft, wie ein richtiger Buchhalter eine Zahl, die nicht stimmt. So sucht also der richtige Systematiker in allem, was er tut, die Lücken, und wenn er eine findet, versucht er, sie auszufüllen. Auch der Zweck meines heutigen Referates wird es sein, die Lücken, die wir noch in unserer praktischen Palästinaarbeit haben, Ihnen zu illustrieren und Ihnen praktische Vorschläge zu machen, um diese Lücken auszufüllen. (Beifall.)