Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 122)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 122 — und da hörte ich, daß in Konstantinopel eine Kontrerevolution ausgebrochen war, von der man damals noch nicht wissen konnte, wie sie enden wird. Die Depeschen überstürzten sich. Zu dieser Zeit habe ich den Brief in der Aufregung geschrieben. (Hört, hört!) Ich würde ihn heute auch noch schreiben Dr. Tschlenow hat den Nachsatz vergessen. Es war nämlich von Professor Warburg, wie Dr. Tschlenow mir mitgeteilt hatte, angeregt worden, einen Rechtsanwalt nach Konstantinopel zu schicken, der dort die Verhältnisse studieren sollte,, und für diesen Zweck sollte der Nationalfonds oder die Bank 500 £ hergeben. Das sind 10000 JL. Ich stand auf dem Standpunkt, wir haben noch gar keine Möglichkeit, die Verhältnisse in Konstantinopel zu studieren, da die türkische Agrargesetzgebung noch nicht geändert ist. Und das veranlaßte mich, weil ich privat an meinen alten FreundTschlenow geschrieben habe, von Narrischkeiten und den noch nicht gelegten Eiern zu schreiben. Wir haben in Konstantinopel einen Vertreter sitzen, der ebensogut die Arbeit machen kann wie ein Fremder, der hinkommt. Später ist die Arbeit tatsächlich von einem andern, von dem Vorsitzenden des Palästinaamts, gemacht worden, und der Spaß hat nur 600 J6 gekostet. Ich wollte also keine 10000 J6 dafür wegwerfen. (Lebhafter Beifall.) Nur noch ein Wort. Herr Dr. Tschlenow sprach davon, das die Herren mir nicht feindselig sind. Ich bin davon überzeugt, daß die Herren mir persönlich, nicht feindselig sind, ebensowenig wie ich es ihnen gegenüber bin. Wir arbeiten alle zusammen und haben alle dieselben Interessen. Ich weiß aber wirklich nicht, wie ich das bezeichnen soll, wenn man mit mir, einem Freunde, mit dem man zusammen verkehrt, im Aktionskomitee zusammenkommt und über die neue Situation spricht, und dann acht oder zehn Herren in Petersburg zusammenkommen und dort Beschlüsse fassen, die doch schließlich in erster Linie gegen mich gerichtet sind, und diese Beschlüsse, ohne daß ich davon eine Ahnung hatte, an die Landesorganisationen versendet. (Lebhafte Pfuirufe.) Ich kann nur das eine sagen, das ist wirklich nicht der Weg, den man gehen soll. (Rufe: Sehr richtig!) Nun noch ein Wort über Herrn Dr. Weitzmann. Herr Dr. Weitzmann sagte: Wir wollen ja nur einen Versuch machen! Die Herren in Petersburg wollen nur einen Versuch machen, und wenn wirklich ein Fehler gemacht wird, würde es nicht schaden. Nun, einen Fehler machen, schadet auch wirklich nicht. Dafür sind wir Menschen; wenn aber derselbe Fehler zum zweitenmal gemacht wird, so ist das strafbar. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir haben bereits ein Komitee aus sieben Mitgliedern gehabt, und ich habe Ihnen heute vormittag anschaulich geschildert, wie das ausgesehen hat. Nun, sollen wir genau denselben Fehler ein zweites Mal machen? (Rufe: Nein!) Das ist es, wogegen ich ge-