Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 118)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 118 — innerhalb der nächsten fünf Jahre nach Palästina auszuwandern. Ein Vorschlag, viel utopistischer als alle Utopien. Was sind moralische Verpflichtungen? AVer fühlt sich daran gebunden? Vielleicht der Herr, der es vorschlug? Ich glaube es nicht. Mein heißester Wunsch ist, den Tag zu erleben, wo ich mit meiner Familie an Ort und Stelle sein könnte, wo ich die hebräische Sprache hören und reden, wo ich mitwirken könnte an der großen Kultur, die dort aufblüht. Aber wenn wir eine solche Verpflichtung übernehmen, glaube ich, daß bereits am nächsten Kol-Nidre-Abend viele Gelübde aufgelöst werden müßten, und das wäre ein falscher. Weg. Gewiß, unser zionistisches Aktionskomitee soll in erster Linie für Erez-Jisrael sein und in Erez-Jisrael arbeiten. (Del. Rosenfeld: X. Kongreß!) Lieber Freund Rosenfeld, wir sprechen uns später. Ich persönlich bin der Meinung, daß alle Arbeiten, die wir überhaupt tun. können, in Palästina sieh konzentrieren sollen. Aber in der Richtimg hat das A. C. nicht gesündigt. Wir müssen in Palästina in jeder Weise arbeiten. Dort wächst tatsächlich das Judentum in ungeahnter Weise. Die hebräische Sprache ist aus einer toten zu einer lebendigen geworden. Die Arbeiter, die nicht viel reden, sondern die arbeiten, leisten in Palästina etwas Gewaltiges, sie schaffen neu den jüdischen Boden. Aber wir müssen darauf dringen, daß der Zusammenhang' in der zionistischen Bewegung nicht unterbrochen, der Faden nicht zerrissen wird. Kur dadurch, daß hier national-jüdisch gearbeitet wird, schaffen wir Kolonisation, dadurch, daß wir das jüdische Volk in den Ländern des Gallith nationalisieren, wirken wir kolonisatorisch und agitatorisch, das können wir nicht trennen. Wir wollen keinen kolonisatorischen, keinen kulturellen, keinen politischen, wir wollen einen ganzen, vollständigen Zionismus haben. (Lebhafter Beifall). Meine Herren! Sie sprechen immer vom Mangel an großen Gesichtspunkten. Ich kenne nur einen großen. Gesichtspunkt, das ist der Gesichtspunkt des Zionismus. (Lebhafter Beifall.) Er hat unser A. C. beseelt, und wir dürfen nicht darangehen, den Zionismus in lauter kleine Teile zu zerteilen. (Zwischenruf des Delegierten Rosenfeld.) Jawohl. Herr Rosenfelch ich beeile mich, ich komme zum Schlüsse. Die zionistische Leitung ist es, die den Zionismus organisiert hat. Auf dem Gebiete der Organisation und Ordnung wurde ihr kein Vorwurf gemacht. Sie werden uns einstweilen keinen Mann geben, der mehr als Wolffsöhn tun wird, oder mehr als Wolffsohn getan hat. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Sobald Rußland das freie Land ist, das ich für die Juden wünsche, werde ich der erste sein, der dafür eintritt, das A. C. dorthin zu verlegen, wo es hingehört, das ist nach Odessa. Aber bis dahin dürfen wir niclit warten. Sie jammern, daß wir keinen politischen Nachwuchs haben. Das liegt an Faktoren, auf die wir keinen Einfluß haben, das liegt an den Zuständen in Rußland. (Lebhafte Zustimmung.) Herr Wolffsohn kann in Rußland keine Konstitution machen, er kann nicht den Bruch und Riß, der zwischen Vätern und Söhnen in Rußland bestellt, überkitten und heilen. Ich kenne in Rußland Juden genug, die sich freuen würden, wenn sie keine Kinder hätten, weil ihnen das jüdische, nationale Herz bricht, wenn sie auf die Kinder hinblickem