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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 116

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 116 (sequence 116)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 116 — Delegierter Dr.. Heinrich Loewe, Berlin (mit lebhaftem Beifall begrüßt;: Meine Damen und Herren! Ich bin in einer sehr üblen Lage. Ich möchte beinahe sagen, die Rede, die ich pro halten wollte, hat mein verehrter Freund Dr. Weitzmann bereits contra vorgebracht. Aber er hat dabei doch einige Irrtümer begangen, so, wenn er unsern Präsidenten mit einem deutschen Politiker zusammengeworfen hat, der die antisemitischste Äußerung getan hat, die je in einem Parlament gefallen ist: die von den Schnorrern und Verschwörern. Das durfte ihm nicht unterlaufen. Das war bei einem so tief denkenden Manne, wie Herr Dr. Weitzmann, eine Entgleisung, die ihm nicht hätte passieren sollen. Wir sind der Meinung, die wir im besondern Falle die besondern Nuancen des politischen Zionismus betonen, ebensolche Anhänger praktischer Arbeit sindr ebenso im Lande unserer Väter erst einmal Grund und Boden erwerben wollen und keinen Zweifel daran aufkommen lassen, daß wir jene Märtyrer der Arbeit nicht minder hoch feiern, die ihr Herzblut vergossen haben und die vor Fieber und Not und dem Tode nicht zurückgeschreckt sind, und die nun gebettet liegen in Erez Jisrael als Märtyrer des politischen Zionismus, wie wir ihn auffassen und wie er von unserer Leitung vertreten wird. (Stürmischer Beifall.) Es ist falsch, daß der russische Jude Wolffsohn die russischen Juden wieder zurückdrängen will in die Judengasse, aus der sie hergekommen. Ich bin nicht aus der Judengasse, aber Herr Wolffsohn ist aus der Judengasse, und das Wort hätte man nicht fallenlassen sollen. Das ist nicht Hurra-Stimmung, aus der ich spreche, das ist einfach das zionistische Herz und Gefühl und die Liebe zum jüdischen Volke, für das wir alle das gleiche Gefühl haben. Es gibt keinen Unterschied zwischen Juden des Ostens und Westerts, es gibt für uns keine russischen und galizischen und deutschen Juden; für uns gibt es nur jüdische Juden. (Stürmischer Beifall.) Sie wollen neue Gedanken von der Leitung haben. Wer ist diese Leitung? wer soll die neuen Gedanken geben? Da sind drei Personen im Aktionskomitee, von denen man nicht eine her ausgreifen kann, ohne es zu zerzausen. Die drei gehören so zusammen, wie der Zionismus und das Judentum für uns. Ich rede also nicht pro Wolffsohn, obwohl liier contra Wolffsohn gesprochen wurde, sondern icli rede für das Aktionskomitee, das für uns in der Welt den Zionismus repräsentiert. (Lebhafter Beifall.) Merkwürdig: gestern und heute hat man Wolffsohn in einem fort angegriffen, und jetzt hören wir von Tschlenow: Wenn nur mehrere Wolffsohns in einer Stadt wären, das wäre eine Wohltat. (Heiterkeit und hört!) Ich bin Historiker und erlaube mir, Ihnen ein Histörchen vorzutragen. Karl der Große sagte zu seinem Kultusminister Alkuin: Ich möchte ein Dutzend solcher Männer haben wie der Kirchenvater Augustin! Und was erwiderte ihm sein Minister: Der liebe Herrgott hat nur einen Augustin gehabt und du willst gleich zwölf haben. (Große Heiterkeit.) Wir haben nur den einen Wolffsohn und den wollen Sie uns auch noch nehmen. (Stürmische Heiterkeit und Beifall.) Nicht aus feindseligem Lager sind die Angriffe von Dr. Weitzmann, Dr. Tschlenow und Ussischkin gegen Wolffsohn gekommen, es sind zionistische, brüderliche Angriffe. Nur eine Diskussion unter uns. Aber was wir gestern von dem ersten Eedner hörten, das waren feindselige Angriffe. (Lebhafte Zustimmung.)

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