Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 115)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 115 — Leitung allein die Schuld trügt. Alle haben daran schuld, das ist kein Zweifel; aber die Leitung in der ersten Linie. Wir haben uns darum gesagt, wir müssen versuchen, einen andern Weg zu betreten. Wir wollen keine Feindschaft; wir wollen die Einigkeit nicht stören, die zwischen Osten und Westen mit so großer Mühe und Aufopferung von beiden Seiten zustande gebracht worden ist. Wir sind auch nicht hierher gekommen, um der Leitung unnütze Vorwürfe zu machen, und wenn die Frage des Absolutoriums kommen wird, werden wir es auch der Leitung votieren. Denn wir erkennen an. sie hat ihr Möglichstes getan. Aber wir wollen vor euch, vor uns und vor der Welt die Wahrheit nicht verhehlen, daß es in den letzten Jahren schlecht gegangen ist. Es ist die höchste Zeit, Abhilfe zu suchen. (Beifall.) Herr Wolffsohn meint man solle die Leitung in Ressorts einteilen und diese Leuten geben, die in verschiedenen Städten, sogar Staaten wohnen. (Hufe: Das wird gut sein!) Nein, das wird gar nicht gut sein; hätten wir einige Wolffsohns in einer Stadt gehabt, wären wir schon eher zufrieden gewesen. (Hört, hört! Lebhafter Beifall:;, Aber ei ihm* Person, wie es bis jetzt war, oder 7 Personen, die in verschiedenen Städten wohnen, wie es vor dem Kongreß war, die Leitung zu übergeben das können wir nicht mehr brauchen. Unsere Überzeugung ist folgende. Wie es bis jetzt geleitet wurde, war schlecht. Wir müssen ein kollegial arbeitendes Organ haben. Und da wir ein Engeres A. C. von sieben oder fünf Mitgliedern in einer Stadt nicht zusammenbringen können, so sagten wir uns, wir werden die Kräfte nehmen, von Ost und West, die uns gut scheinen, wir werden von ihnen einen Teil, wenigstens drei, in einer Stadt zusammenbringen, und die übrigen müssen sich verpflichten, alle zwei Monate hin zu kommen; daß Herr Wolffsohn, der unserer Sache viel geleistet hat, in diesem Komitee mitarbeite, das wollten wir natürlich alle. Auf diese Weise dachten wir. einen ernsten Versuch zu machen, unser Werk vorwärts zu bringen. Ob es gelingen wird, — garantieren können wir nicht. Wir hoffen. Jedenfalls werden wir uns sagen können, wir haben unsere Pflicht getan, wir haben vor der Wahrheit unsere Augen nicht verschlossen, wir haben aus persönlichen Motiven uns die Wahrheit nicht verhehlt. Haben Sie einen besseren Weg, werden wir brüderlich mit Ihnen beraten; aber daß man Sie vor Petersburger Beschlüssen wie vor einem feindseligen Akte warnt, dagegen .protestiere ich mit aller Kraft. (Lebhafter Beifall.) Herr Wolffsohn hat in seiner Rede heute wiederholt den Ausdruck gebraucht, daß jeder bei seinem Werke bleiben muß. Das ist ein richtiges Wort. Er hat heute auch gesagt, daß die Leitung die Aufgabe hat, die Finanzen zu verwalten, die uns die ganze Welt anvertraut. Ja, wenn die zionistische Organisation ein Finanzgeschäft wäre, dann hätte ich auch gesagt: Herr Wolffsohn, Sie sind an Ihrem Werke. Aber um Führer dieser großen nationalen Bewegung zu sein, nein, Herr Wolffsohn, da sind Sie nicht am Werke. (Lebhafter Beifall.) Wir wollen lieber, statt über das Gewesene zu streiten, unsere Hände ineinanderlegen und gemeinschaftlich beraten, wie wir unser Werk auf den richtigen Weg vorwärts bringen sollen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) s*