Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 114)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 114 — machen. (Lebhafte Zustimmung.) Ich muß aber auch ganz entschieden zurückweisen, daß in ganz unparlamentarischer Weise Zwischenrufe gegenüber dem Eedner erfolgen. Delegierter Dr. Tschlenow (fortfahrend): Das ist ein Privatbrief, aber zwischen dem Präsidenten und einem Mitglied des A. C, in Angelegenheiten der Bewegung; eine andere Art Korrespondenz als diese hat überhaupt zwischen uns niemals stattgefunden. Das also, meine Herren, war die Antwort, die wir auf die Initiative bekommen haben, welch-e wir von unserer Seite der Leitung beizubringen suchten. Und wenn Sie dies berücksichtigen, dann erst werden Sie das Gespräch verstehen, von welchem einen Auszug Herr Wolffsöhn heute, zwar, ohne mich genannt zu haben (Rufe: Das war auch ein Privatgespräch!) vor Ihnen zitiert hat. Als Herr Wolffsöhn mich fragte: Ja, was haben Sie eigentlich für einen Vorteil in Berlin, und was haben Sie gegen Köln? Da habe ich mit einer gewissen Ironie, die er vielleicht nicht bemerkte, ihm etwa folgendes gesagt: Wir haben nicht das volle Vertrauen, daß alles, was wir beschließen, in Köln auch gleich zu erfüllen gesucht wird. Sie sind uns dafür zu stark; während" wir in Berlin darauf rechnen, daß, was wir kollegial beschließen werden, die schwächeren Personen auch zu erfüllen suchen werden! Und was für eine Antwort habe ich darauf bekommen? Herr Wolffsöhn hat mir von einer Zusammenkunft in Paris erzählt, wo von manchen angesehenen Vertretern unserer Bewegung ihm gesagt wurde: Ja, wissen Sie, ein Führer muß nicht nur verstehen, Beschlüsse zu erfüllen, sondern auch sie nicht zu erfüllen. (Lebhafte Zustimmung und Widerspruch.) Ich muß gestehen, daß wir uns der Überzeugung nicht entziehen konnten, daß der Einfluß dieser Pariser Besprechung tiefe Spuren hinterlassen hat. Und wenn Herr Wolffsöhn heute gesagt hat, daß bei solchen Verhältnissen er nicht die Kraft oder die Möglichkeit in sich fühle, die Organisation weiter zu leiten, so muß ich auch offen erklären, daß, wenn alles beim alten bleibt, wir nicht die Kraft in uns fühlen, an der allgemeinen Leitung unserer Arbeiten weiter teilzunehmen. (Lebhafter Beifall.) Herr Wo 1 f f sohn hat Ihnen heute gesagt, Tschienew und Us sis chkin sind wie ein Zwilling geworden. Ich muß Ihnen sagen, daß zwischen Ussischkin und Tschlenow, — und das werden Ihnen die russischen Zionisten alle bestätigen, — hat durchaus nicht immer eine solche Harmonie geherrscht, daß man sie für einen Zwilling betrachten könnte. (Heiterkeit.) Ja, es ist sogar oft das Umgekehrte der Fall Insbesondere in der Taktik ist sehr oft Tschlenow für eine ganz andere Taktik, als Ussischkin. Wenn aber beide für ein und dieselbe Sache so harmonisch eintreten, dann ist es der beste Beweis für die Wahrheit und Notwendigkeit dieser Sache. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Geehrter Kongreß! Ich will nicht zu schwarz malen. Was ich aber für meine Pflicht betrachte, ist, Ihnen zu sagen: Unsere Lage ist ernst,- wir wachsen nicht, wir verstärken uns nicht, wir schrumpfen sogar in manchen H'^sienten zusammen. Herr Wolffsöhn hat selbst zu mir im selben Gespräch gesagt: Ja, ich weiß, ich habe nichts Bedeutendes zustande bringen können: Selbstverständlich wissen wir es auch, daß an dem Zustande unserer Organisation, am Sinken unseres Prestiges, unseres Kufes in der AVeit durchaus nicht dU)