Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 113)
- Language
- German, English, Hebrew
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—. 113 — Delegierter Dr. TschleilOW (fortfahrend): Jetzt werden Sie mich hoffentlich nicht unterbrechen. (Unruhe.) Bevor ich fortfahre, erachte ich es als meine Pflicht, Herrn Wol ff söhn nieinen besten Dank dafür auszusprechen, daß er für meine Interessen eingetreten ist, um so mehr, als er wußte oder ahnte, dai?> er noch ein paar unangenehme Worte von mir hören wird. (Präsident AVolffsohn: Sehr wahr!) Das ist ein Zeichen seiner Ehrlichkeit. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich richte dennoch an Sie im Interesse unserer Zeit die Bitte, sich möglichst kurz zu fassen. Delegierter Dr. Tschlenow (fortfahrend): Ich habe jetzt unbeschränkte Redezeit und lasse mich jetzt nicht beschränken. (Beifall und große Unruhe.) Ich wTill aber gleichzeitig bemerken, daß es traurig genug ist, daß es erst der Intervention Wolffsohns dazu bedurfte. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Das ist ein Angriff auf die Geschäftsführung des Präsidiums, den ich mir nicht gefallen lasse. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen. Großer Lärm.) Delegierter Dr. Tschlenow (fortfahrend): Ich gehe jetzt weiter, und bitte Sie, zuzuhören. Ich habe Ihnen also erzählt. .. (Großer Lärm, Vizepräsident Dr. Bodenheimer mahnt wiederholt zur Ruhe.) Ich habe nicht viel mehr zu sprechen, aber ich denke, es wird wichtig sein, und ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit. Ich komme jetzt zu unserm zweiten Vorschlage, die Agrarkreditfrage nunmehr näher zu untersuchen und diejenigen Schritte zu unternehmen, die, wie es uns schien, der Zeitpunkt und die Erfordernisse der Bewegung uns diktieren. Sie haben gewiß den Bericht der vorletzten Kölner Konferenz gelesen. Der Präsident des A. C. hat da seinen Standpunkt mit einem Eifer zu verteidigen gesucht, den ich unbedingt anerkenne. Es ist aber doch ein- Beschluß für die Schaffung einer Kommission gefaßt worden. Diese Kommission brauchte zu ihrer Arbeit ein Budget, einige Mittel. Es ist darüber schon manches hier gesprochen worden, aber manches habe auch ich mitzuteilen. Die Kommission hat von der Bank und vom Nationalfonds kleine Summen als Vorschuß verlangt, der zurückgegeben wrerden sollte, nachdem die Gründung zustande gekommen wäre. Und da werde ich mir erlauben, ein paar Zeilen aus einem Briefe zu verlesen, den Herr Wolffsöhn an mich gerichtet hat. Der Brief ist am 15. April geschrieben wTorden und es heißt darin (liest): „Sie werden doch hoffentlich jetzt nicht im Ernste sich zuviel mit dieser Sache beschäftigen und, wTie Herr Prof. Warburg mir schreibt, einen Rechtsanwalt nach Konstantihopel schicken, um dort Studien zu machen über die Eier, die eventuell am Jomtef gelegt werden könnten. Dazu wollen Sie vom Nationalfonds und von der Bank Geld nehmen? Die Kommission zu bilden, konnte ich nicht verhindern. Aber daß die Bank oder der Nationalfonds Geld für solche Narrischkeiten hergibt, das wTerde ich hoffentlich doch verhindern können." (Pfuirufe und großer Lärm.) Das ist zwar ein Privatbrief (stürmische Pfuirufe), aber er beweist . . . Lärm und Zwischenrufe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer (unterbrechend): Herr Dr. Tschlenow, ich bitte Sie, einen Augenblick innezuhalten. Es ist gewTiß kein parlamentarischer Gebrauch, Privatbriefe hier zum Gegenstand der Verhandlung zu 8