Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 112)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 112 - Moment haben wir diese große Umwälzung in der Türkei betrachtet. Da haben wir uns gedacht, ja jetzt wird schließlich die Leitung uns doch zeigen, was sie zu leisten versteht und leisten kann. Meine Damen und Herren] Nichts, wieder nichts! Mit blutigem Herzen muß ich das sagen. Nichts, keine Initiative, keine Gedanken, kein Wirken, gar nichts, sogar nicht der Versuch, uns extra zusammenzubringen, um gemeinschaftlich zu beraten: wenn Köln nichts hat, vielleicht werden wir einen Gedanken haben. Man hat dies für überflüssig gehalten. Nichts, gar nichts wurde unternommen. (Beifall und Unruhe.) Da sind wir Revolutionäre geworden. Dr. Tschlenow ist auch ein Revolutionär geworden. Wir haben eine Versammlung in Moskau zusammenberufen, — ich habe zwar einen Brief bekommen, in dem es hieß, daß es nicht ganz ordnungsmäßig sei, daß wir unsere Absicht nicht früher mitgeteilt haben, — in dieser Versammlung haben wir manche Beschlüsse gefaßt und haben sie gleichzeitig dem E. A. C. mitgeteilt. Was haben wir dort getroffen? Entgegenkommen, Verständnis? Nein, wieder nein! Wir haben vom ersten Augenblick verstanden, was nachträglich auch von der Leitung zugegeben wurde, daß jetzt der Moment gekommen ist, wo man nicht mit der türkischen Regierung allein, sondern mit dem freien türkischen Volke sich verständigen muß, und daß man dazu eine Presse, eine Zunge haben muß, durch die man sich verständigt. Man hat uns geantwortet, dies sind alles verfrühte Sachen, die ihr uns vorschlagt. Die Zeit ist dazu noch nicht gekommen. Wir haben das Geld gesammelt, das uns möglich war; aber es hat noch lange gedauert, bis wir die Leitung bewogen haben, irgendwelche Schritte in dieser Richtung zu unternehmen. (Ruf : Hat Rußland das Geld gegeben?) Ja! Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich bitte, nicht zu unterbrechen, und Herrn Dr. Tschlenow mache ich darauf aufmerksam, daß seine Zeit um ist. Delegierter Dr. Tschlenow: Ich bitte, die Versammlung zu befragen, ob ich noch weiter sprechen kann. Ich bitte, festzustellen,... (Rufe: Weiterreden! — Großer Lärm und Zwischenrufe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich werde gar nichts feststellen, als die Tatsache, daß ein Kongreßbeschluß vorliegt, den wir absolut nicht ändern können. Wir können ihn aus dem einfachen Grunde nicht abändern, weil wir schon sechs Redner mit beschränkter Redezeit gehört haben. (Großer Lärm und Rufe: Abstimmen! — Dr. Tschlenow: Das ist eine Vergewaltigung.) Wir werden nicht anfangen, Ausnahmegesetze zu machen. (Lebhafter Widerspruch und Zwischenrufe.) Ich bitte die Ordner, die Mittelgänge frei zu machen. Präsident Wolffsolm (zur Geschäftsordnung). Geehrter Kongreß! Unser Herr Präsident hat vollkommen recht. Nachdem der Kongreß beschlossen hat und die andern Redner in der Redefreiheit beschränkt worden sind, sollte eigentlich dem Redner keine längere Zeit bewilligt werden. Aber in meinem Interesse und im Interesse des E. A. C. bitte ich Sie, nachdem dieser Redner der letzte Kontraredner ist, diesen Beschluß umzustoßen und demDr. Tschlenow weiter das Wort zu lassen. (Beifall und große Unruhe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich stelle die Frage an den Kongreß, ob Herr Dr. Tschlenow unbeschränkte Redefreiheit haben soll oder ob es bei dem Beschlüsse des Kongresses bleiben soll. (Temkin übersetzt dies ins Russische.) Wer für den Antrag Wolffsohn ist, bitte ich, die Hand zu erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Dieselbe erfolgt.) Der Antrag ist angenommen. (Beifall.)