Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 110)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476272--3140-3479281- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 110 — alles in Bewegung gebracht. Das Volk hat aufgelebt, neue Kulturkräfte sind erschienen, Sprößlinge sind von allen Seiten hervorgewachsen. Man braucht diese nur sorgfältig zu kultivieren. Jetzt geht dies alles zurück, weil niemand sich darum kümmert und niemand unsere Reihen in Bewegung setzt. Das ist die Größe, die wir in der Diaspora vorstellen, deren Bedeutung gestern Dr. Nord au mit besonderer Kraft betont hat: hier, wo wir unsere Kräfte sammeln müßten, wo wir stark werden müßten, sind wir in der Zeit, wo uns der Führer verlassen hat, schwach geworden und werden immer schwächer. Wollen wir nun zu unsern Aufgaben in Palästina übergehen. Wir haben dort die Bank als eine zionistische Institution geschaffen, wir haben noch manches andere von kleinerer Bedeutung geleistet. Aber das ist alles noch dasjenige, was Herzl begonnen hat. Noch immer leben wir von dem, was er uns gegeben hat. Was haben aber seine Nachfolger Selbständiges im Lande geleistet, was haben sie für unsere Sache geschaffen? Ich spreche von denjenigen Aufgaben, die für ihre Kräfte wären. Das palästinensische Judentum fordert, wenn auch auf eine eigene Art, zionistische Propaganda und Organisation; das Judentum in Palästina könnte eine ganz andere Bedeutung haben, wenn es organisiert wäre. (Bravo, Bravo!) Aber als Mitglied des Großen A. C. muß ich vor Ihnen konstatieren, nicht einmal hat man die Frage beraten, und wenn wir sie aufgeworfen haben, hat man sie wie eine Kleinigkeit, die keine Aufmerksamkeit verdient, zur Seite geschoben. (Hört, hört! und Zustimmung.) Ich war in Palästina, ich habe zwar nach meinem fünfwöchigen Aufenthalt daselbst kein Buch geschrieben und sogar kein Referat erstattet, denn ich habe mir gesagt, alles, was dort geschieht, ist so bedeutend, daß es ein Verbrechen wäre, nach einigen Wochen Aufenthaltes daselbst Bücher darüber zu schreiben. (Zustimmung.) Was ich gesehen habe und worüber mir das Herz betrübt war, ist, daß unser Ansehen im Lande, wie sogar in den Gemeinden durchaus nicht dem entspricht, was es sein sollte. Der Name Zionist wird nicht mit Achtung genannt. Vielleicht könnte ich einen schärferen Ausdruck gebrauchen. Und dagegen wird nicht gewirkt; unsere Institutionen in Palästina betrachten ihre Aufgabe zu formell, sie wollen alles vom kaufmännischen Standpunkte behandeln; der Zionismus aber ist kein Geschäft. (Lebhafter Beifall.) Und unsere Leitung, hat sie in dieser Richtung irgendetwas geleistet oder hat sie versucht, irgendetwas zu leisten? Absolut nichts. So, meine Herren, besteht es in der Diaspora und so ist es in Palästina. Jetzt komme ich zur dritten wichtigen Aufgabe des E. A. C, zu seiner Rolle im Großen A. C. und seinem Einfluß auf die Richtung der Arbeit in den verschiedenen Ländern. Vom II. Kongreß an stehe ich im Dienste unserer Sache, und ich weiß, daß in keinem Lande etwas von Bedeutung geschehen konnte, wo man sich nicht an den Führer wandte, wo man nicht von ihm Instruktionen erwartete. Ja, er hat nicht einmal darauf gewartet, er war der erste, der geschrieben hat. (Rufe: Charkow!) Ich komme noch dazu, wenn Sie es wollen; ich wollte heute Charkow nicht berühren- Ich dachte, es gibt Wunden, die vernarbt sind, man sollte nicht daran rühren. Und es war nicht richtig und nicht gesund, als Herr Wolffsohn heute daran rüttelte und daraus zwischen den