Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 109)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 109 — Freunden im Osten, sowie im. Westen, unseren langjährigen Bemühungen ist es gelungen, viele dieser Differenzen zu beseitigen, und mit Kummer habe ich gemerkt, daß kein anderer, als der Präsident des E. A. C. diese Differenzen so scharf zu machen heute hier wieder gesucht hat. (Zustimmung.) Alle diese Motive fehlen mir; nur eines leitet mich, das ist die Liebe zu unserer allgemeinen Sache und der Wunsch, ihr nach Kräften zu dienen. Und wer meine 28jährige Arbeit im Zionismus kennt, wird überzeugt sein, daß, was ich gesagt habe, kein leeres Wort ist, sondern aus meinem Herzen kommt. (Lebhafter Beifall.) Nach dieser Einleitung gehe ich zur Sache selbst über. Herr Wolffsohn hat uns heute gesagt: Ja, man übt Kritik, man tadelt, man schimpft usw.; warum sagt man nicht klar, was will man eigentlich von uns? Welche großen Züge und Aufgaben fordert man von uns? Ich will darum das im voraus bemerken, ich fordere von der jetzigen Leitung nichts Großes und nichts Neues. Das Große, die Idee, die uns beseelt, von deren Wurzeln wir uns alle ernähren, haben uns das jüdische Volk und die jüdische Geschichte gegeben. Und der Mann, der ihr greifbare Form verliehen hat, das war der Mann, der hier ist (zeigt auf das Bild Herzls). Er hat unsere Organisation geschaffen, er hat uns alle zusammen in einen Bund gebracht. Wir verlangen von der jetzigen Leitung nichts derartiges. Aber was wir wrollen und was zu verlangen wir uns für berechtigt halten, ist, daß die Leitung die Erbschaft gut verwaltet und unsere Sache in ihrer natürlichen Entwicklung möglichst vorwärts bringt. Herzl hat uns viel überlassen. Wollen wir nun sehen, inwiefern seine Nachfolger das wenigstens zu erhalten versucht haben. Da wollen wir kurze Umschau halten. Herzl war der erste, der auf dem Gebiete der Weltpolitik zu arbeiten begonnen hat, auf dem er so Bedeutendes geleistet hat. Er hat die jüdische Frage zu einer Weltfrage gemacht. Herzl hat unsere Organisation zu einem Element gemacht, mit dem nicht nur das Judentum, sondern auch die ganze Kulturwelt zu rechnen begonnen hat. Wie Sie wissen, mußten wir den Weg der „äußern" Politik verlassen. Ich will diesfalls keinen Vorwurf machen: es hat sich vieles in diesen wenigen Jahren geändert. Etwas anderes ist unsere Organisation und ihre Bedeutung auf deren Aufrechthaltung heute mit Stolz hingewiesen wurde. Der letzte Kongreß, an dem unser verewigter Führer noch teilnahm, war der Sechste. Wir haben damals eine Viertelmillion Schekelzahler gezählt, jetzt zählen wir die Hälfte. Wir sehen auch keinen qualitativen Zuwachs; in den ersten, führenden Reihen sind immer dieselben alten, bekannten Gesichter,' wir ziehen die Jugend nicht heran, wir haben keine neuen Kräfte, und w^enn Herr Wolffsohn sagt, wir haben uns überarbeitet, so ist es, weil keine anderen an unsere Stelle treten. Unsere Rolle in der allgemeinen jüdischen Welt ist unvergleichbar zusammengeschmolzen, man rechnet fast nicht mehr mit uns, man ignoriert uns. Wir stellen nicht mehr jene Position dar, die Herzl uns in wenigen Jahren geschaffen und seinen Nachfolgern hinterlassen hat. Ich gehe zur Kulturarbeit über. Herzl war kein Verfechter derselben, aber durch den mächtigen Zug, den er unserm Volke gegeben hat, hat er