Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 108)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 108 — derjenigen, die sich um Zions Fahne scharen. Prof. War bürg ist heute das Sinnbild der idealen Arbeit in Palästina. Ich will nicht sagen, daß alles, was in Palästina gearbeitet wird, gut ist. Ich will nicht sagen, daß nicht auch heute in Palästina Sünden begangen werden. Das liegt aber an der Unerfahrenheit und an der Tatsache, daß wir so und soviele Jahre durch das Charterpharitoni nichts gearbeitet haben und die Arbeit von neuem aufnehmen müssen. Wenn uns aber Vorwürfe gemacht werden, ist nicht Mr. Co wen dazu berufen, der gegen uns systematisch gearbeitet hat und der die Mitschuld am Niedergang unserer Partei trägt. (Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer (unterbrechend): Sie haben vorhin den Ausdruck Überfall gebraucht. Ich muß denselben als nicht parlamentarisch rügen. Ich bitte fortzufahren. Delegierter Dr. Rappaport (fortfahrend): Ich will nur auf einige Ausführungen Dr. Nordaus zurückkommen. Wenn Sie zwischen den Zeilen der Rede des Herrn Dr. Nordau gelesen haben, werden Sie sehen, daß wieder das alte Phantom unter uns herumspukt. Da heißt es unter anderm: Unsere Gegenwart liegt in Europa und Amerika, unsere Zukunft in Palästina. Nein, sage ich, unsere Zukunft liegt zwar in Palästina, aber sie beginnt Iie ute; mit der Gegenwart beginnt die Arbeit dort. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn wir nicht alles erreichen können, wollen wir nicht wie Dr. Nordau sagen: Bleiben wir die Streiter der Gerechtigkeit! Wir wollen die Streiter der Gerechtigkeit der jüdisch-nationalen Sache in Palästina sein. Und mit Dr. Nordau rufe ich aus: Zurück zum Baseler Programm! Aber gleichzeitig rufe ich: Zurück zur idealen Arbeit in Palästina, und die ideale Arbeit in Palästina kann nur dadurch begonnen werden, indem wir nicht katastrophale Politik betreiben, sondern Hand in Hand an dem arbeiten, was uns nützen und unsere Idee verwirklichen kann: so können wir einst unsere ideale Arbeit verwirklicht sehen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Das Wort hat Herr Dr. Tschlenow. Delegierter Dr. Tschlenow (lebhaft akklamiert): Geehrter Kongreß! Ich muß meine Rede mit einer Einleitung beginnen, die ich lieber nicht machen möchte, die ich aber nach der Art der Polemik, welche leider hier stattgefunden hat, zu machen mich verpflichtet fühle. Ich habe keinen Wunsch, irgendwelchen Posten im Zionismus zu bekommen (Beifall); ich habe auch keine Ambition, eine Erhöhung meiner Stellung in unsern Reihen hier zu suchen. Es fehlen mir ferner irgend welche persönliche Motive, gegen Herrn Wolffsohn aufzutreten, den ich zu meinen Freunden zähle, und der auch mich, nach seinen Briefen zu schließen, zu seinen Freunden zählt. Ich will noch betonen, daß ich keine speziellen russischen Interessen hier zu vertreten suche. Denn von dem ersten Tage an, als ich, der frühere Chowewe-Zionist, dem Rufe des Dr. Herzl gefolgt bin und in die Reihen der politischen Zionisten eingetreten bin, habe ich es immer als meine Pflicht betrachtet, den Unterschied zwischen Ost und West, zwischen den russischen und den westlichen Zionisten zu streichen, unfühlbar zu machen. (Beifall.; Mit Genugtuung kann ich sagen, mir und meinen