Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 105)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476272--3135-3479276- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 105 — Sie haben selbst bemerkt, daß die Leute sich leicht abarbeiten bei uns. Ich gebe es zu; aber der Nachwuchs geht von uns weg, gute zionistische Arbeiter flüchten sich vor dem Zionismus nach Palästina. Sie bleiben weg aus den zionistischen Reihen, aber nur, weil sie im Zionistenkongreß nicht eine einzige neue Idee fanden. (Ruf: Darum gehen sie nach Palästina?) Gewiß! In drei Teile kann unsere Arbeit geteilt werden: die wichtigste Arbeitskategorie ist die, die Sie belächeln und bemängeln wollen. Da komme ich aber jetzt auf eine Bemerkung Greenbergs zurück. Er sagt, es sei keine Differenz zwischen uns, den praktischen und den politischen Zionisten. Ich gebe dies zu: Es war eine Zeit, wo tief einschneidende Differenzen zwischen uns waren, diese Zeit ist jetzt vorbei. Aber während wir ein positives Arbeitsprogramm und eine ganze Reihe positiver Arbeiten für Palästina vorgeschlagen haben, reden die politischen Zionisten noch immer in der alten Phraseologie. Nord au hat selbst gesagt, mancher von Ihnen war betrübt, daß die Charteridee ad acta gelegt werden soll. Wir wissen sehr gut. daß damit auch die Diplomatie ins Archiv des sogenannten politischen Zionismus gegangen ist. Aber trotzdem die Herren ihre mächtigste Waffe verloren haben, hängen sie am Alten, haben sie nicht die Courage, zu sagen: Wir legen zwei Sachen ad acta und werden in unserer praktischen Tätigkeit Chowewe-Zionisten. Da wären viele Mißverständnisse doch beseitigt. Dagegen bin ich überzeugt, daß man im nächsten Jahre wieder sagen wird: „Was Sie wollen, ist nur Kleinarbeit." Sie haben jetzt nichts anderes zu tun, als auf rechtlicher Grundlage Position auf Position in Palästina zu erwerben. (Lebhafter Beifall.) Sie haben nichts anderes zu tun, als ihr Augenmerk darauf zu richten, diese Positionen zu erwerben. Sie haben nichts anderes zu tun, als die öffentliche Meinung außerhalb Palästinas vorzubereiten, nichts anderes, als die jüdische Masse in dieser Richtung aufzuklären. Sie müssen weg mit den alten Ideen, die ihre Rolle ausgespielt haben. Aber Sie klammern sich noch immer an Phantome. Die Zentralidee des Zionismus war vor Herzl und vor uns da und bleibt unangetastet. Sie war das historische Streben, nach Palästina zurückzukommen. Alles andere war nur Mittel zum Zweck. Das ist selbstverständlich. Gewiß, zur Leitung der Bewegung gehören auch Finanzmänner, aber jeder Mann muß auf seinem Platze sein. Es gehört aber auch dazu ein großes intellektuelles Komitee, und auch dieses wird noch Fehler machen. Herr Wolffsohn, werfen Sie nicht War bürg vor, daß er Fehler macht, Sie und auch jeder von uns macht Fehler: wer keine Fehler macht, tut überhaupt nichts. (Lebhafter Beifall.) Und wenn einmal die große Sache sich abwickeln wird, dann werden sogar die 3 300 000 £ der Jüdischen Kolonialbank keine Rolle spielen. Es kann ein großer Fehler gemacht werden, der das ganze Aktienkapital der Bank kosten kann. Aber schreckt denn eine große, historische Bewegung davor zurück? Und Sie halten immer den Bleistift in der Hand wie einen Chalef; Sie sagen immer, man werde alles verlieren. (Präsident Wolffsöhn: Wer hat das gesagt?) Es werden noch schwerere Fehler gemacht werden, wir müssen darauf gefaßt sein; machen wir aber einen Versuch, aus der Stagnation herauszukommen, an der nicht Wolf f söhn, an der nicht War bürg schuld ist,