Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 104)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 104 — er kann dies nicht tun. Wir schlagen deshalb vor: Machen wir einen Versuch, mehrere Personen in den großen intellektuellen Zentren bieten mehr Garantie, daß diese schwierige Arbeit besser gemacht werde,1 als eine Person sie in Köln machen würde. (Lebhafter Beifall.) Wenn man hier von Palästinaarbeit spricht, und wenn man hier von War bürg spricht, so geschieht es mit einem nachsichtigen Lächeln. Es hat fast den Eindruck gemacht, daß man Warburg zu Tode loben wollte. (Lebhafte Heiterkeit.) Professor Warburg ist ein ehrenhafter Mann — er braucht kein Zeugnis der Ehrlichkeit. Warburg ist Professor in Berlin und eine Autorität, aber er ist unpraktisch. Und es ist eine Note der Warnung laut geworden, — der Präsident hat sich sogar dazu verstiegen, — wie werden nach zwei Jahren die Leitung und unsere Institute aussehen! Der Präsident warnt, nicht alles Warburg auszuliefern. Wenn Sie die Reden unserer Gegner und ihre Schriften über Herzl lesen, so klingt ja derselbe Ton durch. Auch damals hat man gewarnt und gesagt, Herzl sei nur Zeitungsschreiber — und Wolffsohn hat sich heute über die „Zeitungsschreiber" lustig gemacht:/ Herr Wolffsohn vergißt dabei, daß der erste Präsident des Kongresses ein Feuilletonist der „Neuen Freien Presse" war. Aber jener Zeitungsschreiber hat den Kongreß geschaffen und das Material zusammengebracht. Herr Wolffsohn, es ist unmöglich, börsen-praktiscke Methoden auf die zionistische Bewegung anzuwenden! Obzwar ich nichts von kaufmännischen Angelegenheiten weiß, sage ich, es ist mehr wahrscheinlich, in Berlin, trotzdem man dort von Durchreisenden gestört wird, neue Inspirationen zu erhalten, als in der little town on the Rhine. Das war ein Ausdruck, der geschmiedet wurde von Ihren Freunden Greenberg und Cpwen. Sie sagen, wenn Sie etwas tun wollen, müssen Sie erst hin und her an die verschiedenen Kollegen sehreiben. Ja, wissen Sie, der Kampf gegen die Geographie war immer im jüdischen Golus. (Heiterkeit.) Das können wir nicht vermeiden, und das, was Sie als Fehler betrachten, nämlich, daß Sie von Durchreisenden gestört werden, betrachte ich als einen Vorteil. Lassen Sie sich stören, kommen Sie in Kontakt mit den Durchreisenden. Dann werden Sie vielleicht wissen, daß man es in Petersburg oder Charkow auch blutig ernst meint und keine Verschwörung plant. (Beifall. Bravo!) Es wurde sehr viel der Name Herzl erwähnt. Ich hätte vorgezogen, und ich glaube auch, der Präsident würde es vorgezogen haben, daß man Herzl ruhig im Grabe hätte liegen lassen. Aber das eine muß gesagt werden: Als Herzl zu arbeiten anfing, als er nach London, nach Berlin und Paris kam, fand er verschlossene Türen. Nachher kam er aber in die Judengasse, da hat er diese Verschwörer gefunden, und mit ihnen hat er zu arbeiten angefangen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Er hat uns als fertiges Material vorgefunden, er hat uns in die politische Schule geführt, und nun, wo wir ein wenig Politik gelernt haben und etwas tun wollen, kommen Sie und sagen: Ihr gehört wieder in die Judengasse, Ihr seid die Schnorrer. (LebhafterBeifall.) (PräsidentWolffsohn: Wer hat das gesagt?) Sie haben es nicht gesagt, aber es klang so durch. Wenn Sie die Bewegung nur auf ein Bureau zurückführen werden, so wird sie nimmer wachsen können! Sie sagen, wir sehen nicht ein einziges neues Gesicht im Kongreß. Ja,