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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 101

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 101 (sequence 101)
Language
German, English, Hebrew
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— 101 — werden muß mit unserer Hand, mit unserm Schweiß. Solange dies nicht der Fall ist, gehört es nicht uns. Was hat die zionistische Leitung getan, um die Jugend zu unterstützen, daß sie in Palästina bleiben soll? Absolut nichts. Eher hat sie sie noch zurückgestoßen. Der Vorsteher unserer Bank hat ihr nicht geholfen, er hat sie einfach ignoriert. Es ist ein Stock von Arbeitern in Jerusalem gewesen, man hat einen Streikfonds gesammelt, und die Bank hat das Geld nicht in Depot genommen. Ein zweiter Fall: Eine Arbeiterorganisation in Jerusalem hat sich an das E. A. C. mit einem Projekt gewendet. Dieses hat aber erst nach 7 Monaten geantwortet. Die Arbeiterfrage in Palästina muß aber gelöst werden; solange wir dort nicht ein Arbeiterelement haben, haben wir dort nichts zu tun. (Lebhafter Beifall.) Delegierter Dr. Nacht (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt, spricht hebräisch und setzt dann deutsch fort): Der Zionismus ist eine demokratische Bewegung, und insofern haben die Herren Kritiker volles Eecht, die Leitung anzugreifen. Darin besteht ja eben der große Unterschied zwischen den andern jüdischen Organisationen, die keine Rechenschaft vor der Öffentlichkeit ablegen, und der zionistischen Organisation, die vor dem Kongreß verantwortlich ist. — Aber die Kritik muß ihre Grenzen haben und darf nicht einen Sprung vom Sachlichen ins Persönliche machen. Man fragt, was hat die Leitung in der Türkei unternommen? Welche Direktiven gab sie uns seit der Revolution in Konstantinopel V Man klagt, daß sie den günstigen Augenblick nicht richtig einzuschätzen verstand? Meine Herren! Es ist ein großer Felder, daß wir Taten fordern, ohne zu wissen, ob sie möglich sind. Es besteht immer eine große Distanz zwischen Wünschen und Möglichkeit. Der Herr Präsident war ja in Kon- «tantinopel, hat die bereits veränderten Verhältnisse dort kennen gelernt und fand sie also für unsere Sache noch ungeeignet. Es ist ja klar, daß die Leitung ebenso sehr wie wir Wertvolles leisten möchte. Wir müssen auch dessen eingedenk sein, daß wir unsern Pflichten nicht immer und nicht in der erforderlichen Weise nachkommen. Und mit welchem Rechte fordern wir nun, daß die Leitung große Taten vollbringen müßte? Herr Dr. Pasmanik verlangt, das Zentrum der Leitung zu verlegen. Ich glaube, liier kommt es weniger auf den Platz als auf den Mann an. Herr Dr. Stand sagte: „Zuerst handeln, dann unterhandeln". Es ist vielleicht ein schönes Wort, im Leben zeigt es sich aber ganz anders. Meine Damen und Herren! Es sind Vorschläge zugunsten des Professors Warburg gemacht worden. Ich gehöre zu den Verehrern Prof. Warburgs, ich schätze ihn als großen Gelehrten und schätze ihn als Mann, der die Ehrlichkeit selbst ist, wie Herr Wolffsohn gesagt hat. Aber Sie wissen ganz gut, daß wir in einer Zeit leben, wo man jeden Moment gewärtig sein muß, daß die Mittel sich ändern. Und wenn wir das Volk für unsere Sache gewinnen wollen, müssen wir trachten, daß unserm Volke die Ewigkeitsseite unsers Ideals erhalten bleibt. Derjenige, der die zionistische Sache als Phantom bezeichnet, kann nicht Träger dieser Idee sein. (Rufe: Wer hat das gesagt?) Das hat Herr Prof. Warburg gesagt. (Unruhe).

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