Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 96)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 96 wurden, vorgeworfen. Ich hätte die Beschlüsse wohl ausgeführt, aber die Art und Weise hat den Herren in Kußland nicht gefallen, und zwar wird als Bewreis angeführt, daß, nachdem beschlossen wurde, eine Agrarkommission einzusetzen, und dafür Geld verlangt worden ist, das E. A. C. das Geld nicht dem Vorsitzenden der Kominission überwiesen habe. Da ist Herrn Goldberg ein kleiner Irrtum unterlaufen. Das E. A. C. hat sofort das Geld, zwar nicht so viel, wie verlangt wurde, aber 50 Pfund überwiesen. Es liegt also hier wieder eine Anklage vor, die keine Berechtigung hat. (Delegierter Goldberg: Im Juli hat Prof. Warburg ausdrücklich von uns verlangt, wir sollen die Spesen aufbringen!) Herr Prof. Warburg kann bestätigen, daß ich ihm die 50 Pfund, die er verlangt hat. sofort überwiesen habe. Der Betrag ist noch nicht einmal ganz ausgegeben. (Zustimmung seitens des Prof. Warburg. — Beifall.) Über die Broschüre Goldbergs wTill ich kein Wort verlieren. Ich kann sie nicht beurteilen; ich habe sie nämlich nicht gelesen, da ich keine Zeit dafür habe. Was die Jüdische Kolonialbank getan hat, darauf zu antworten, ist Sache des Herrn Dr. Katzenels'ohn. Noch ein Wort über die Generalversammlung. Wenn die Herren aus Rußland einen Wunsch haben, muß ich nach ihrer Ansicht immer aufspringen und ihn sofort ausführen, auch wenn die Majorität dagegen ist. Ich habe in in diesem Fall bei sämtlichen Mitgliedern des Aufsiehtsrats angefragt und ihnen gesehrieben, es werde große Kosten verursachen, die Generalversammlung nach Berlin einzuberufen; denn manche Mitglieder lassen sich die Keisekosten bezahlen, wenn sie zu einer Generalversammlung kommen, und besonders bei Mitgliedern aus Rußland ist das vorgekommen. Es würde für die Jüdische Kolonialbank auch unnütze Kosten machen, wenn man, nachdem sie ihr Domizil, ihre Beamten, Direktoren und Sekretäre in London hat, alles nach Berlin hinüberführt. Obgleich ich daher es nicht für richtig gehalten habe, habe ich trotzdem bei den Mitgliedern des Aufsichtsrats angefragt, die Majorität war jedoch dagegen. Aber die Herren aus Kußland haben mir den Vorwurf gemacht, daß ich ihre Befehle nicht befolgt habe, trotzdem die Majorität dagegen war. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Delegierter Lebovits (Budapest): Geehrter Kongreß! Es ist zweifellos, daß die Kritik für alle gesellschaftlichen Einrichtungen eine Notwendigkeit und eine Wohltat ist. Kritik ist aber ein zweischneidiges Schwert, ein blitzendes Schwert, und wie ein blitzendes Schwert blenden kann, kann auch Kritik blenden. Wie aber ein Schwert geeignet ist, Schutz zu gewähren und Heil zu stiften, kann es auch Unheil stiften; es kommt nur darauf an, wie und mit welcher Absicht Kritik geübt wird. Wir haben gestern eine solche Kritik gehört; wiewohl inzwischen eine glänzende Antwort ciarauf erfolgt ist, so leugne ich doch nicht, daß ich noch jetzt unter dem Eindruck dieser Kritik *tehe und diesen nicht abschütteln kann. Ich will nicht sagen, daß sie micli überzeugt hätte; aber ich stehe unter dem Eindruck, eine Kritik gehört zu haben, wie man sie nicht hören soll, insbesondere bei uns nicht hören soll. Jede ehrliche Kritik ist zulässig, ist anerkennenswert, aber die Voraussetzung