Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 95)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 95 — Präsident Dr. Nordaii: Es tut mir leid, uuserni geehrten Präsidenten antworten zu müssen, daß der Kongreß vor die Frage gestellt wurde, ob er den Generalrednern unbeschränkte Redezeit, 30 oder 20 Minuten Redezeit einräumen will. Der Kongreß hat ausdrücklich abgelehnt, unbeschränkte Redezeit zu bewilligen, oder 30 Minuten zu gestatten. Da uns das Ergebnis der Abstimmung auf den ersten Blick zweifelhaft schien, ließen wir die Stimmen zählen. Die Zählung ergab unanfechtbar, daß die Mehrheit des Kongresses nicht für 30 Minuten war. Ähnlich gingen wir bei der Abstimmung über die Frage vor, ob den einzelnen Rednern 20 Minuten Redezeit eingeräumt Werden solle. Der Kongreß hat mit überwältigender Mehrheit 20 Minuten beAvilligt. Wenn der Kongreß sich nicht jeden Augenblick widersprechen und seine Beschlüsse als nicht vorhanden betrachten will, muß ich als Präsident, der berufen ist, die Beschlüsse des Kongresses, soweit sie sich auf den Gang der Verhandlungen beziehen, durchzuführen, mich an diesen Beschluß halten. (Beifall). Es sind mehrere Generalredner gewählt worden, anfangs sollten es 18 sein, dann 10, dann 8. Der Kongreß lehnte die 13, er lehnte auch die 10 ab und nahm die 8 an. Es werden also vier Redner auf jeder Seite zum Worte kommen. Wenn der erste Herr Redner mit den Vorwürfen und Anklagen gegen die Leitung seinen Vorrat nicht erschöpft hat, so folgen ihm drei andere Redner. Der Präsident muß sich jedes Urteils enthalten. Wenn das nicht der Fall wäre, dürfte ich die nachfolgenden Redner qualifizieren, und unter uns kann ich durchblicken lassen, daß ich sie für ganz bedeutende Redner halte. Betrachten Sie das als nicht gesagt. Jedenfalls folgen noch drei Herren, und was der erste Redner nicht gesagt hat, werden hoffentlich die drei andern sagen. Es tut mir leid, daß ich dem großherzigen, aber unparlamentarischen Einwand unseres Präsidenten nicht Folge geben kann. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Präsident Wolft'sohn (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Meine verehrten Herren! Ich werde Sie nicht lange aufhalten und werde nur sagen, was ich zu berichtigen habe. Wenn die andern drei Redner auch nur ebensolche Anklagen gegen das E. A. C. vorbringen werden, werdeich ebenfalls zur Erwiderung darauf nur ganz kurze Zeit von Ihnen in Anspruch nehmen. Herr Goldberg hat bezüglich der türkischen Umwälzung davon gesprochen, daß wir keine Stellungnahme für das offizielle Blatt angegeben haben. Aber der „Ha Olam" in Wilna hat uns niemals gefragt, und wenn er gefragt hätte, hätte ich geantwortet. Ich habe keinen Apparat in Köln, daß ich die ganze Welt mit Nachrichten versehen kann. Aber, wenn die Herren angefragt haben, haben sie doch immer eine Antwort bekommen. Herr Goldberg sagte weiter, — und das ist wieder nicht richtig, — nachdem in Rußland 45000 Frs. gesammelt waren, wollte das E. A. C. die Beschlüsse nicht ausführen, avozu die Gelder gesammelt waren. Erstens waren die Gelder noch nicht gesammelt, sondern nur in Aussicht gestellt, zweitens habe ich in dem Augenblick, wo von den versprochenen 50000 Frs. 43000 angesammelt waren, die Beschlüsse ausgeführt. (Rufe: Hört, hört!) Ferner wird dem E. A. C. die Art und Weise, wie die Beschlüsse ausgeführt