Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 91)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 91 — unzufrieden, daß Sie Dicht mit mir gegangen sind. Dann hätten wir das alles erspart; aber ich bin erstaunt, zu hören, daß man gegen mich den Vorwurf erhebt, daß ich gegen Kongreßbeschlüsse handle; denn es gibt keinen Unterschied zwischen Kongreßbeschlüssen. Ein Kongreßbeschluß ist ebensogut wie ein anderer. Ich möchte gerade die Herren fragen, die gegen mich protestieren, ob sie auch alle Kongreßbeschlüsse befolgt haben? Haben die Herren z. B. zum Parteifonds bezahlt? (Kufe: Ja!) Alle? Pardon, nur der hat ein Recht, gegen mich zu protestieren, der jeden Kongreßbeschluß ausgeführt hat. (Widerspruch und Unruhe.) Präsident Dr. Nordau (unterbrechend): Ich bitte den Redner nochmals, sich auf eine persönliche Bemerkung zu beschränken und keine Polemik zu führen. Delegierter Cowen (fortfahrend): Die zweite Sache, die man gegen mich ins Treffen geführt hat, ist diese Korrespondenz, und man hat mich benutzt, um gegen das E. A. C. vorzugehen, da man hier zwar nicht öffentlich, aber im geheimen sagt, daß Cowen das nicht selbst getan hat, sondern daß er das Spielzeug anderer war. Herr Präsident, ich weiß nicht, welches Wort ich hier statt des Wortes Lüge gebrauchen kann, weil es nicht parlamentarisch ist. Aber wenn Sie mir ein ebenso gutes Wort sagen können, so bitte ich, es zu tun. Denn das ist das Wort, das ich hier gebrauchen will. (Heiterkeit und Unruhe.) Ich habe diesen Brief allein, ohne irgend jemanden zu fragen, geschrieben. (Ruf: Leider!) Kein andrer Mensch hat davon gewußt. (Ironische Rufe: Wir glauben Ihnen schon!). Wer mich kennt, wird mir glauben. Der Hon* Präsident des E. A. C. hat mich schon verurteilt und hat gesagt, daß ich auf Professor Warburg Schmutz werfe. Herr Präsident, ich bitte Sie, die Korrespondenz durchzulesen, und jeder Delegierte hat gleichfalls die Korrespondenz zur Hand, um mir zu beweisen, ob ich in irgendeinem Teile Schmutz auf Professor Warburg werfe (Zwischenruf seitens des Delegierten Bentwich). Herr Bentwich, der verlangt, daß Ordnung gehalten wird, weiß sich nicht einmal im Kongresse zu verhalten. Es wurde mir mehrere Male, seitdem ich in Hamburg bin, gesagt: Mit dem, was Sie gesagt haben, sind wir alle einverstanden (Widerspruch), nur nicht im Ton, hat man gesagt (Widerspruch. — Dr. S. Daiches: In beiclem! — Lärm. Präsident gibt das Glockenzeichen.) Ich will nur feststellen, Herr Präsident, daß diese ganze Korrespondenz eine absolute Privatsache zwischen Professor Warburg und Mr. Cowen ist. (Großer Lärm und zahlreiche Zwischenrufe des Widerspruches — Präsident gibt wiederholt das Glockenzeichen.) Dies hat mit anderm absolut nichts zu tun. Präsident Dr. Nordau: Sind die gewählten Generalredner nunmehr zur Stelle? (Rufe: Jawohl!) Wenn das der Fall ist, treten wir in die Debatte ein, und ich erteile als erstem Generalredner Herrn Goldberg das Wort. Generaldebatte über den Bericht des Aktions-Komitees Delegierter Boris Goldberg, Wilna (mit Beifall begrüßt): Geehrter Kongreß I Nicht die Oppositionslust treibt mich auf diese Tribüne, sondern weil ich seit 21.2 Jahren die Verbindung zwischen der Zentrale der russischen Zionisteu und dem E. A. C. in meinen Händen hatte und mir mehr vielleicht als jedem {Indern die gesamten Verhältnisse bekannt sind. Deshalb halte ich es für meine Pflicht, in diese Frage einzugreifen. Ich will von vornherein erklären, ich sehe, daß es sehr bedauerlich ist, daß einige der Vorredner, ganz besonders der Präsident des E. A. C , das persönliche Moment ganz besonders in den Vordergrund gerückt haben. (Ruf: Und Dr. Pasmanik?) Ich werde mich bemühen, möglichst sachlich zu sein. Ich möchte noch eine Bemerkunghier aussprechen. Ich bin nicht der Meinung, daß die Ursache des geringen