Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 86)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476272--3116-3479257- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 86 — größte Idealist einsehen, daß unsere Organisation auch dadurch leiden muß. Wenn diese geschützt bleiben soll, so müssen Sie die Leitung so einrichten, daß sie erstens keine Parteitendenz hatr denn die Leitung soll über allen Parteien stehen. Sie soll nicht nur die Ansichten der russischen und der österreichischen Zionistenr sondern die allgemeinen zionistischen Interessen vertreten. Noch wichtiger ist natürlich, daß die richtigen Leute auf den richtigen Posten sind. Einen bessern Präsidenten als Professor Warburg' können wir uns kaum wünschen. Aber lassen Sie ihn mit Geschäften nichts zu tun haben, verderben Sie sich die wenigen geeigneten Personen, die wir haben, nicht, wir brauchen sie alle; stellen Sie auf jeden Posten Leute, die die Organisation, die Bank,, den Nationalfonds zu leiten verstehen. Wenn Sie ein solches Direktorium zusammengesetzt haben, wird auch Raum sein für alle andern Arbeiten, die Sie verlangen. Verzeihen Sie, daß ich Sie so lange aufgehalten habe. Aber ich mußte Ihnen das alles sagen. Ich habe am Sonnabend beim Festgottesdienst die Predigt von Dr. Nobel gehört. — Sie wollen doch, daß man mit Hebräisch beginnt und schließt. — Der Text war aus der dies wöchigen Parsche Wajechi (Zwischenruf: Nein, jetzt ist Schemoß!) Dieser Herr, der den Zwischenruf gemacht hat, scheint Sonnabend nicht in der Synagoge gewesen zu sein.. (Heiterkeit.) Da heißt es: Da nun die Tage kamen, daß Jakob sterben sollte, da sprach er: Heossfu weagidah lachem eith ascher jikra etlichem bachrith hajamim. Versammelt euch, daß ich euch sage, was euch begegnen wird in den künftigen Zeiten. Das ist es, was ich zum Abschied zu sagen hatte, geehrter Kongreß! Ich werde hier keine politische Rede mehr halten. Das ist alles, was ich zu sagen habe. Es liegt mir daran, daß die zionistische Organisation nicht dem Wechselspiel ausgesetzt wird, daß man nicht leichtfertige Experimente mit ihr unternimmt. Ich hoffe, der Kongreß wird sich nicht binden lassen an Sachen, die außerhalb des Kongresses gemacht wurden. Es ist von der größten Wichtigkeit, daß die Organisation sicher steht, und darum werden Sie nicht auf die Beschlüsse eingehen, die Ihnen vorgeschlagen wurden von den geheimen Räten und „Ezes-Gebern" in Petersburg.. (Stürmischer, langanhaltender, sich stets erneuernder Beifall und Händeklatschen im Saal und auf der Galerie, Tücherschwenken. Der Kongreß stimmt stehend die Hatikwah an.) Präsident Dr. Nordau: Ich bitte, die Plätze einzunehmen. Herr Tartakower beantragt, daß die Debatte geschlossen und Generalredner für und gegen den Bericht des A. C. gewählt werden. Zu diesem Antrage hat Herr Trietsch geschäftsordnungsmäßig das Wort zu einer Bemerkung. Delegierter Trietsch (große Unruhe): Meine Damen und Herren! Ich spreche nur zu dem Antrage, betreffend die Generalredner, und möchte bemerken, daß die Anmeldungen zum Worte sich vollständig verschoben haben. Wir haben uns zum Worte gemeldet, ungefähr 70 oder 80, zu den Eeden von