Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 79

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 79 (sequence 79)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
100% known words query
IRI
…/3476254-3476272--3109-3479250
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 79 — das ist ein Artikel, an dem ich keinen zu großen Mangel leide . . . (Dr. Kornhäuser macht einen Zwischenruf. — Lärm.) Mir steht manchmal der Verstand still, daß man sich über die Leute, die man angestellt hat, die zionistischen Gelder zu behüten, — und wir haben doch wahrlich nicht über zu viel Kaufleute unter uns zu verfügen, — beschwert, weil sie ihre Pflicht tun, daß man Kann und Cowen mit Vorwürfen überhäuft und ihnen nachsagt, sie wären gegen praktische Arbeit und wollen nichts tun. Und das sind doch gerade diejenigen, die wirklich gearbeitet und nicht nur geredet haben. (Beifall.) Das sind die Herren, die stille Arbeit verrichten, und als wir in Palästina durch das Geschwätz der. dortigen Zeitungen in eine Klemme gerieten, waren es diese Herren, die die Mittel zur Verfügung gestellt haben für die A. P. G. Müßte man sich nicht bei diesen Herren bedanken, anstatt ihnen Vorwürfe zu machen? (Dr. Kornhäuser: Man sagt, daß Sie das Sprachrohr von Kann sind!) Ich wurde gefragt, ob ich das Sprachrohr meiner Kollegen bin. Nein, Herr Kornhäuser, ich bin nicht das Sprachrohr meiner Kollegen, sie sollen, wenn sie wollen, selbst reden. Ich bin selbst auch kein Redner. Was ich spreche, spricht mein Herz. Ich bin nicht zur zionistischen Bewegung als Redner, als Politiker gekommen, der hier große Ideen zu vertreten hat, sondern ich bin hierher als Arbeiter gekommen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Man hat mir die Finanzen übertragen, und ich habe sie unter Herzl verwaltet, und Sie müssen,' nachdem Sie soviel Schlechtes von mir gehört haben, auch einmal etwas Gutes von mir zu hören bekommen. Dr. Herzl war auch kein Kaufmann, und es wird mein Verdienst bleiben, daß die Jüdische Kolonialbank heute noch besteht und ihr Vermögen vermehrt worden ist. Wir würden sonst in 5 Jahren soweit gewesen sein, wie wir es wahrscheinlich in 2 Jahren sein werden, wenn die andern Herren wirtschaften werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Meine Herren! Jetzt müssen Sie sich noch eine Weile gedulden, jetzt werde ich zur Hauptsache kommen. Sie haben eine Antipathie gegen Köln. Ich lebe in Köln 22 Jahre, ich bin aber durchaus kein Lokalpatriot. Herr Dr. Pasmanik hat angeführt, Köln sei katholisch, warum gerade in einer katholischen Stadt das E. A. G. seinen Sitz hat. (Heiterkeit.) Ich selbst stehe auf dem Standpunkt, daß Köln nicht der geeignete Ort ist. Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, und gesagt, daß, wenn es notwendig wäre, das E. A. C. nach dem richtigen Ort zu verlegen, ich das Opfer bringen und nach einem andern Ort hinziehen würde (lebhafter Beifall und Händeklatschen)..... Aber ich bitte, meine Herren, das geht denn doch nicht, daß Sie mitten im Satz applaudieren, was werden Sie bei der zweiten Hälfte des Satzes sagen? (Heiterkeit.) .... Ich habe gesagt, wenn es notwendig wäre, ich rede offen, wenn heute die Möglichkeit vorliegen würde, das E. A. C. nach Palästina zu verlegen, ich würde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.