Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 78)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476272--3108-3479249- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 78 — demonstrativer Beifall und Händeklatschen.) Die praktische Arbeit, das Palästinaressort und wie alle andern Unternehmungen heißen, ja selbst das Odessaer Komitee ist erst etwas geworden, nachdem dieses Phantom zuerst gewirkt hat. (Erneuter lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es ist bereits gesagt worden, praktische Arbeit kann nicht ohne Politik, und Politik nicht ohne praktische Arbeit gemacht werden. Hier sage ich, der Zionismus ist kein Handelsartikel! Der Zionismus hat die Juden der ganzen Welt zusammengeführt, nicht zu dem Zwecke, um einige kleine Sachen zu machen, die vielleicht gar zugrunde gehen werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vorläufig haben die Herren, die praktische Arbeit fordern, immer noch von den Geldern verlangt und genommen und sind furchtbar böse darüber, daß man ihnen die Gelder nicht ausliefert, die der phantastische Zionismus aufgebracht hat. (Sehr richtig! Sehr gut!) Man sagt, ich sei gegen die praktische Arbeit. Um Gottes willen, beweisen Sie mir einen einzigen Fall! Reden Sie nicht so in die Welt hinein; man soll von dem Präsidenten der Bewegung nicht so etwas sagen, bevor man sich überzeugt hat, daß es wahr ist. Herr Stand ist Mitglied des Großen A. C. — Ich habe die Ehre, 41/2 Jahre mit ihm zu arbeiten, ich habe in der gesamten Registratur unseres Bureaas nachsehen lassen und einen einzigen Brief von Stand gefunden, in welchem er etwas verlangt, was nur indirekt mit unserer Bewegung zusammenhängt. Er verlangte nämlich, daß für ein galizisches Wahlkomitee die Mittel geschaffen werden. Ich habe Herrn Stand als Mitglied des A. C. in 4^2 Jahren nur dreimal bei Sitzungen gesehen. Woher weiß er also, was er von mir behauptet? Daß ich nicht auf alle Pläne eingehe, die Warburg und andere vorschlagen, dafür sollten Sie mir dankbar sein. — Dr. Nordau hat schon gesagt, an Ezesgebern sind wir sehr reich. — Und wissen Sie, wer mir am meisten dafür dankt? Professor Warburg selbst. Ich will Ihnen eine Äußerung von ihm selbst erzählen. Ich sagte ihm einmal: Verehrter Herr Professor, wenn wir nur den zehnten Teil von dem ausgeführt hätten, was Sie vorschlagen, wären wir schon längst stecken geblieben. Darauf gab er zur Antwort: Ich schlage vor und Sie sind Kaufmann, und wenn Sie etwas nicht für gut halten, ist es selbstverständlich, daß Sie es ablehnen. (Beifall.) Meine Herren! Kann man bei einem solchen Zusammenarbeiten noch sagen, daß wir permanent im Streite gelegen sind? Ich hahe bereits in der Sitzung des A. C. an Professor Warburg diesbezüglich eine Frage gerichtet, und er wird Ihnen auch hier keine andere Antwort geben können als: daß wir glänzend miteinander ausgekommen sind. Mir steht manchmal der Verstand still, und