Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 77)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476272--3107-3479248- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 77 — männischen Sachen, das Kaufmannshandwerk ist nicht gar so schwer, aber gelernt will es sein. (Lebhafte Heiterkeit und Beifall) Jetzt komme ich auf Herrn Professor War bürg zurück. Herr Professor Warburg hat sich bei uns große Verdienste erworben. Aber es darf doch um Gotteswillen nicht als eine Beleidigung oder Kränkung angesehen werden, wenn von ihm gesagt wird, daß er das Kaufmännische nicht versteht. Herr Professor Warburg gesteht es ja selbst ein. Allerdings hat es mir nicht gefallen, als er in seiner Antwort an Cowen gesagt hat, dazu habe er seine Ratgeber. Das kommt davon, wenn man solche Briefe schreibt und sie hernach selbst veröffentlicht. Diese Sache hier aufzuklären, bin ich Mr. Cowen schuldig. Er war zufällig bei mir, als ich von der Sache erfahren habe, dahabe ich streng von ihm verlangt, daß er die Briefe nicht veröffentlicht, er solle es nicht tun, und er hat es mir auch versprochen; aber Herr Professor Warburg selbst war es, der in der Annahme, Cowen werde die Briefe veröffentlichen, sie zuerst an die Zeitungen geschickt hat. Als ich Herrn Professor Warburg mitteilte, daß Cowen die Briefe nicht veröffentlichen wird, war es schon zu spät. Ich war mit Herrn Professor Warburg nicht einverstanden, als er sagte, er habe seine Berater für die kaufmännischen Sachen. So leicht ist das kaufmännische Handwerk denn doch nicht, daß man sich durch andere beraten lassen kann; da ist es schon richtiger, daß die Berater vom Kongreß gewählt werden und uns gegenüber verantwortlich sind. Das ist der Fehler, ich muß es offen sagen. Die Schuld liegt allerdings nicht an Professor Warburg, sondern an der räumlichen Trennung, indem ich in Köln und Herr Professor Warburg in Berlin wohnt. Es ist aber ein großer Fehler, wenn unverantwortliche Ratgeber zu unsern zionistischen Geschäften herangezogen werden. In der Korrespondenz zwischen Herrn Professor Warburg und Mr. Cowen kommt noch ein Satz vor, den ich sehr bedauert habe. Herr Professor Warburg sagt wörtlich folgendes (liest): „Sie ziehen vor, daß der gröMe Teil des Kapitals des J. C. T. auf gewöhnliche, mit dem Zionismus in keinem Zusammenhange stehende Bankgeschäfte in Europa zersplittert werde, harrend des großen Momentes, wo die vereinigten Mächte uns Palästina übergeben werden. Ich und meine Freunde hingegen, welche diese Idee für ein Phantom halten und die nicht an die Möglichkeit einer politischen, sondern nur einer wirtschaftlichen Präponderanz in Palästina glauben, verlangen, daß nur der Teil der Bankgelder hier reserviert bleibe, der zur Sicherung unsrer Banken im Orient nötig ist, während das übrige Geld fruchtbringend in Palästina investiert werde." Meine Herren! Das geht mir denn doch ein bißchen zu weit. Dieser politische Zionismus, dieses Phantom hat uns zusammengeführt, und ohne dieses Phantom wären wir nicht hier. (Stürmischer,