Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 75)
- Language
- German, English, Hebrew
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I — 75 — Vorgehen eines Mitgliedes des Aufsichtsrats? Wo war da Ihre Entrüstung? Wenn man aber gegen Professor War bürg vorgeht, da haben Sie gleich Ihre Entrüstung gezeigt. Ich schließe mich allerdings in diesem Falle Ihnen an und komme jetzt zur Affaire des Professors Warburg. Mr. Cowen hat in der Form so gehandelt, daß ich sie ganz entschieden verurteilen muß. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich verurteile die Briefe Gowens so schwer, — und Sie werden mich begreifen, wie schwer ich es meine, — genau so wie die Reden Ussischkins und Pasmaniks. (Erneuter lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Unruhe.) Ich verurteile sie, weil es nicht angeht, daß in einer Bewegung Leute, die ihre Gesundheit, ihr Vermögen, ihr alles hingeben, mit Schmutz und Kot beworfen werden. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Aber meine Herren, der Inhalt selbst ist wieder etwas anderes. (Rufe: Hört, hört!) Ich erkläre Ihnen, daß ich Herrn Professor Warburg schätze und verehre, daß ich mir keinen idealeren Präsidenten, keinen idealeren Menschen vorstellen kann, als Herrn Professor War bürg. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es ist mir peinlich, daß er dabei sitzt; denn Sie wissen ja, man darf nicht alles Lob jemandem ins Gesicht sagen. Ich muß es aber hier offen aussprechen. Ich habe 4V2 Jahre mit ihm gearbeitet, und es ist nicht wahr, wenn man behauptet, daß wir immer entgegengesetzter Ansicht waren. Ich kenne keinen größern Gentleman, als Professor Warburg, und habe bei ihm eine Eigenschaft entdeckt, die alles, alles überwiegt. Ich trete dabei keinem zu nahe, wenn ich sage, er ist der ehrlichste Mensch, den ich je kennen gelernt habe, er ist die Ehrlichkeit selbst. (Stürmischer, langanhaltender Beifall und Händeklatschen.) Er ist vermöge seines Standes, seiner Bildung, — beinahe hätte ich gesagt, seines Judentums, aber das will ich nicht gerade hervorheben, — aber seiner Stellung, seines Vermögens tatsächlich die geeignetste Persönlichkeit für die Leitung: aber ich trete Herrn Professor Warburg durchaus nicht zu nahe, wenn ich sage, daß er kein Kaufmann ist. Ich werde es Herrn Professor Warburg nicht übel nehmen, wenn er mir sagt, ich verstehe nichts von Botanik. Aber hier ist es doch üblich, daß man auch über Dinge spricht, die man nicht versteht, und daß man vielleicht darüber am meisten spricht. (Heiterkeit und Beifall.) Warum soll ich nicht auch ein Wort über Botanik sprechen? (Erneute Heiterkeit.) Ich glaube, meine Herren, daß man, um Botanik zu verstehen, etwas gelernt haben muß, und ich glaube, daß man, um etwas vom Kaufmännischen zu verstehen, auch das gelernt haben muß. Wenn Sie zum Beispiel den größten, bedeutendsten Mann nehmen, der aber das Schuhmacherhandwerk nicht gelernt hat, werden Sie gewiß die von ihm gemachten Schuhe nicht tragen wollen. Warum wollen Sie aber, daß jemand, der den kaufmännischen Beruf