Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 72)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 72 — ich will dies offen sagen, — schwer, einen Nachfolger für Herzl zu finden. Herzls Nachfolger zu sein war schwer; Wolffsohns Nachfolger zu werden wird doch leichter sein. Und dennoch sage ich: Wer es auch immer sein wird, dieser Präsident wird nie etwas schaffen, er wird nie die Bewegung vorwärts bringen, wenn Sie ihn so behandeln und ihn mit einer solchen Autorität ausstatten, wie Sie es bei mir getan. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Meine Herren! Worin liegt unsere Stärke? Ich habe gestern gesagt, im Volke! Zum Volke habe ich Vertrauen; zu seinen Führern aber nicht ganz (Beifall und Händeklatschen), und ich werde Ihnen beweisen, warum. Sie waren so aufgebracht und haben mir Vorwürfe gemacht, als ich Herzl erwähnte und ausführte, man habe ihm das Leben verbittert. Vielleicht ist Ihnen bekannt, — und es muß Ihnen bekannt sein, — daß neulich in Petersburg eine Versammlung unserer russischen Führer stattgefunden hat. Vielleicht besinnen Sie sich, daß dieselben Herren auch in Charkow versammelt waren. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen. — Delegierter Dr. Klausner: Charkow hat den Zionismus gerettet.) Herr Dr. Klausner sparen Sie sich Ihre Lungenkraft, bis ich zu Ihnen komme. Man ist in Petersburg zusammengekommen und hat dort großartige Beschlüsse gefaßt, die Leitung zu stürzen und diese Beschlüsse an sämtliche Landsmannschaften zu verschicken, und dann kommt man zum Kongreß und beklagt sich, daß der Präsident keine Autorität hat. Ich habe einige der Herren, die zu mir gekommen sind, — viele sind nicht gekommen, und ich habe keine Zeit, sie alle aufzusuchen, — gefragt: warum habt Ihr nicht mit mir ein Wort geredet? Ihr seid doch in Köln gewesen, warum habt Ihr mich nicht gefragt? Darauf sind die Herren die Antwort schuldig geblieben. Man ist in Petersburg zusammengekommen, man hat dort eine kleine Revolution gemacht gegen den Herrscher aller Zionisten. (Heiterkeit.) Ich darf mir schon erlauben, über die russische Landsmannschaft zu sprechen, denn ich fühle mich noch selbst als Litwak, vielleicht wissen Sie, was das ist: ein russischer Jude, und Sie werden mich nicht im Verdacht haben, daß ich über die russische oder eine andere Landsmannschaft schlecht denke. Ich stehe auf dem Standpunkte, daß wir mit Rußland, Gaiizien und wie alle die Länder heißen, nichts zu tun haben. Ich stehe hier auf dem Standpunkte, daß ich bloß Juden und Zionisten kenne. (Beifall und Händeklatschen.) Gewiß, wir sind jeder etwas anders geartet. Die Deutschen sind z. B. etwas politischer geschult, die andern haben andere Eigentümlichkeiten; hier sollte aber absolut kein Unterschied bestehen zwischen den Russen, Polen, Galizianern, Holländern und wie sie alle heißen mögen. (Lebhafter Beifall.) Es ist natürlich, daß auch die rus-