Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 71)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 71 — nicht gearbeitet werden, Sie wissen gar nicht, wie es bei uns aussieht. Wenn ich die Herren frage: warum arbeiten Sie nicht dahin, daß in Ihrem Lande endlich der Friede unter den Zionisten hergesteilt wird und die persönlichen Streitigkeiten im Interesse des Ganzen aufhören? dann antworten diese Herren: Das ist bei uns einfach unmöglich. Aber dieselben Herren verlangen, daß ich die Judenheit der ganzen Welt organisieren soll daß ich die Sephardim und Askenasim vereinigen soll, daß wir die Juden des Orients zum politischen Zionismus erziehen sollen. Die Herren, die so sprechen, sind dieselben Herren, die nicht einmal imstande sind, eine Ortsgruppe zu gründen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich frage: Worin besteht Ihre Unzufriedenheit mit der Leitung? Da kommen die Herren auf die Tribüne herauf und erzählen alle möglichen Geschichten. Da kommt Pasmanik und heginnt damit, eine große Menge von Anklagen vorzubringen. Er macht mich für alles verantwortlich, was irgendwo in der Welt vorgefallen ist, er liest verschiedenes hier vor und klagt mich an. — Diese Bank, auf der die Mitglieder des E. A. C. hier sitzen, scheint überhaupt die Anklagebank des Kongresses zu sein, zwei Angeklagte sitzen außer mir noch darauf. — (Heiterkeit.) Er klagt mich an, ich habe ein Interview in Konstantinopel gehabt und dort Worte gebraucht, die er im Französischen vorlas und übersetzte, und er machte den richtigen „Niegen" dazu. (Heiterkeit.) Nebenbei bemerkt, habe ich genau das, was ich in Konstantinopel gesagt habe, gestern in meiner Eröffnungsrede wiederholt, nur mit andern Worten. Darauf kam ein zweiter Redner, ich glaube, es war Dr. Nacht, und schrie in den Saal hinein: Warum hat der Präsident nicht schon ein Jahr früher das gesagt, was er heute gesagt hat? (Rufe: Dr. Daiches!) Also Dr. Daiches, bitte zu entschuldigen (Heiterkeit.) Ich höre immer dieselben Vorwürfe; die einen treten auf und sagen, warum geschieht nichts, warum wird nichts geschaffen? der andere sagt wieder, wie z. B. Dr. Pasmanik, daß ich nicht nach Rußland und Konstantinopel hätte gehen sollen. Pasmanik hebt hervor, was wir in der Leitung getan haben, und findet nichts anders in den zwei Jahren, als daß eine neue Wohnung gemietet wurde, und daß wir von Karolingerring 6 nach Karolingerring 31 übersiedelt sind, die andern Sachen schluckt er hinunter. Konstantinopel, Rußland uswr. sagt er, war ein Fehler, es sei nichts geschehen. Bei einer solchen Kritik, ich muß es aufrichtig sagen, glaube ich nicht, daß einer imstande ist, die Verantwortung für die Bewegung zu übernehmen. (Lebhafte Zustimmung.) Warum ich nicht, wie ich bereits gesagt habe, die Bewegung weiter führen will, werde ich Ihnen erklären: Früher, bis zum VIII. Kongreß, mußte ich es tun, denn es war, — >