Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 68

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 68 (sequence 68)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476272--3098-3479239
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 68 — denn die Leitung muß bekämpft werden. Wo sie nur können, haken sie ein. Das ist aber nicht die Aufgabe des Kongresses, es soll auch nicht die Aufgabe unserer großen Politiker sein, die auch in Parlamenten sitzen, herzukommen und uns zu erzählen, daß es eine persönliche und eine unpersönliche Kritik gibt, und auch eine Kritik, die wertlos ist. Immer Kritik und wieder Kritikf Herr Stand sagte: Die Bewegung muß einen großen Zug bekommen; die Seele fehlt uns usw. Warum sagen Sie nicht, was dieser große Zug sein soll? Warum sagen Sie nicht, was man tun soll? Wenn Ihr so kluge, so große Politiker seid, warum besteht Eure ganze Tätigkeit nur in Reden, und nur einmal in zwei Jahren? (Lebhafter Beifall.) Wo ist die Arbeit, die Sie verlangen? Zeigt doch den Weg. den wir gehen sollen, sagt, was wir tun können. Herr Dr. Braude erklärte, wir sind zum Bureaukratismus heruntergesunken, indem wir nur die Bureauarbeiten gemacht haben. Ich werde noch auf die Bureauarbeiten zurückkommen. Ich möchte gern hören, was Herr Dr. Braude vorschlagen würde, was wir sonst hätten tun sollen. (Zwischenrufe seitens des Herrn Dr. Braude.) Man hat meine Person angegriffen, man hat mir in jeder Beziehung die bittersten Vorwürfe gemacht, und welche Vorwürfe! Einer wollte, ich solle ein Adler sein, der andere wollte, ich soll ein Löwe sein, mit einem Worte, sie wollten, ich soll ein Herzl sein. Zu gleicher Zeit aber wird mir auch der Vorwurf gemacht, daß ich zu autokratisch, zu stark bin. Wie erklärt sich das? Ich werde es 'Ihnen sagen. Als ich einen der größten und angesehensten russischen Zionisten gefragt habe: Lieber Freund, was wirft man mir vor, was verlangt man von mir? Sagen Sie es mir doch, damit ich daraus lernen kann. Da hat er mir zur Antwort gegeben: Sie sind uns eine zu starke Persönlichkeit-, wir wollen nicht eine starke Persönlichkeit an der Spitze haben, wir wollen lieber eine schwache Persönlichkeit. Als ich ihn fragte: Was heißt das, das ist doch vollständig sinnlos, antwortete er mir: Wir haben nicht das Vertrauen zu Ihnen, daß Sie unsere Beschlüsse, die wir fassen, ausführen. Wenn wir von der Sitzung des A. C. nach Hause reisen, haben wir das Gefühl, daß Sie die Beschlüsse nicht ausführen werden., weil Sie eine zu starke Persönlichkeit sind. Ich frage Sie, verehrter Kongreß: Ist einer imstande, mir nachzuweisen, daß ich einen Beschluß nicht ausgeführt habe? Ich habe sogar Beschlüsse, die mir contre cceur waren, wie z. B. den Bankprozeß, wenn auch mit blutigem Herzen, durchgeführt, obgleich ich denselben für einen Unsinn gehalten habe. Ich fühlte zwar, daß ich dazu berufen bin, die Gelder, die wir gesammelt haben, zu schonen und zu schützen, und dennoch habe ich selbst gegen alle meine Freunde gekämpft und gesagt, der Kongreß hat es beschlossen, und was der Kongreß beschließt, muß uns. heilig sein; denn wir haben keine andere Macht. (Lebhafter Beifall und Hände-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.