Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 67)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 67 — Präsident Wollfsoliii (fortfahrend): Meine Herren, besonders meine Herren von der Opposition, die jetzt so gelärmt haben! Wo war denn Ihre Entrüstung, als Pasmanik gestern in unerhörter Weise von dem Präsidenten des A. C. gesprochen hat? Sie haben ihn ruhig angehört; nun müssen Sie auch mich ruhig anhören; ich habe Ihnen noch bitterere Wahrheiten zu sagen, und besonders die Herren sollen mich anhören, die ich gefragt habe, ob sie ^ich getroffen fühlten. Ich kann aus dem Protokoll nachweisen, wie z. B. Pasmanik von Herzl gesprochen hat. (Großer Lärm und Widersprach.) Der Herr Präsident hat schon gesagt, es haben nur Gegner gesprochen, vielleicht weil Alle unzufrieden sind, vielleicht auch deswegen, weil die Andern noch nicht zu Worte gekommen sind. Ich wollte aber nicht solange warten, ich wollte nicht, daß Dinge sich aufhäufen, die nicht richtig sind. Ich sage nicht, daß die Herren gelogen haben, aber was sie gesagt haben, ist objektiv nicht richtig, weil die Herren nicht gut unterrichtet sind. Ich habe mir daher gedacht, da wir nicht viel Zeit zu verlieren haben, werde ich jetzt schon das Wort nehmen, um die Luft zu reinigen und Klarheit zu schaffen. Ich glaube, die Zionisten, die hierhergekommen sind, müssen mich anhören, ich werde sie zwingen, mich anzuhören. (Lebhafter Beifall.) Jeder der bisherigen Redner hat immer die Größe Herzis hervorgehoben. Das ist sehr schön. Aber ich habe das Gefühl, daß es nicht geschah, um Herzl emporzuheben, sondern nur um mich kleiner zu machen. Ich weiß nicht, warum die Herren früher bei Lebzeiten Herzis ihm nicht Lobreden gehalten haben; wenn er wirklich so groß war, — ich selbst glaube ja daran, — warum haben Sie ihm nicht auch bei seiner Lebenszeit Ihren Dank ausgesprochen? Haben Sie ihm vielmehr nicht immer Opposition gemacht? Ich beanspruche wahrhaftig nicht Ihr Lob, denn Ihr Lob wird zugleich ein Kadisch nach mir sein, und ich habe noch gar keine Lust, daß man nach mir Kadisch sagt. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich will noch lange leben und für die Bewegung leben. (Erneuter lebhafter Beifall.) Ich will mich heute mit Ihnen wie mit Freunden offen aussprechen. . Ich hatte ursprünglich vor, dies im A. G. zu tun, aber wie sich jetzt die Dinge gestaltet haben, muß ich es hier tun; ich muß Ihnen sagen, warum ich nicht in der Lage bin, weiter die Bewegung zu führen. (Bewegung.) Meine Herren von der Opposition! Sie werden sich viel ersparen, wenn Sie mich anhören. Die Opposition bei uns, beziehungsweise ein großer Teil der Herren, die zum Kongreß kommen, glaubt, ihre einzige Aufgabe bestehe nur im Kritisieren. Man sitzt da und lauert, ob sich die Leitunonicht irgendwelche Blöße gegeben hat, damit man sofort eingreifen kann. Sie sitzen da und warten, wo sie einhaken können, 5*