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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 66

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 66 (sequence 66)
Language
German, English, Hebrew
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— 66 — Einige Worte von meiner Person selbst. Ich bin hier — gestern hat Pasmanik den Reigen eröffnet —persönlich in einer Weise behandelt worden, als wenn ich mich für den Posten eines Portiers der zionistischen Bewegung gemeldet hätte. (Sehr gut! und Pfuirufe.) Ich will aber von dem Persönlichen absehen, es handelt sich da nicht um mich, und ich bin mir vollständig bewußt, wie es in unserm Volke, das ich mit vollem Herzen liebe, jetzt ist und wie es frü1 er war. Ich weiß, daß man selbst unsern Moses scharf bekämpft hat, und daß ihn die Rotte Korah auch persönlich angegriffen hat. Ich will mich gewiß nicht mit Moses vergleichen (Heiterkeit), aber Sie von der Opposition, sind Sie nicht dieselben, die auch unserm Herzl das Leben verbittert haben! (Großer lauter Beifal und Händeklatschen im Saale und auf der Galerie und lebhafte Rufe <ler Entrüstung.) Präsident Dr. Nordaii (unterbrechend): Ich bitte das Publikum der Galerien, sich jeder Kundgebung enthalten zu wollen, denn andernfalls müßte ich die Herrschaften einladen, die Galerien zu verlassen. Präsident Wolfisolm (fortfahrend): Es liegt in meinem Temperament, ich kann nicht dafür, es kommt manches stärker heraus. Auch ich bin Zionist und spreche manchmal mehr mit dem Herzen als mit dem Kopfe. Es sind Pfuirufe gefallen, hat sich jemand getroffen gefühlt? (Einige Delegierte: Ja!) Dann werde ich mit Ihnen abrechnen. Herr Stand hat eine Bilanz verlangt, ich bin Kaufmann und werde sie Ihn.en geben, und wenn Sie nicht ruhig sein we den, sondern mich in dieser Weise unterbrechen, dann werden Sie mich zwingen, Dinge zu. sagen, die ich lieber im Interesse unserer Sache verschweigen mö»bte. (Großer Lärm und Widerspruch einerseits, Zustimmung auf der andern Seite.) Sie könnendes nicht vertrügen, wenn ich sage, daß man Herzl das L< ben verbittert hat und daß es dieselben Herren sind. (Rufe: Wir waren nie Gegner von Herzl! — Lärmende Zwischenrufe und W ide sprach. — Z Stimmung.) Präsident Dr. Nor«!an (unterbrechend): Die Redner, die bisher zum Worte gekommen sind, haben die größte Freiheit gehabt. Der Zufall oder der Eifer, mit dem die Herren sich zur - Rednerliste gemeldet haben, hat bewirkt, daß bisher fast bloß entschlossene Gegner der Leitung zum Worte gekommen sind; Sie haben die größte Freiheit gehabt, die Leitung anzugreifen. Es scheint mir nun das erste Gebot der Billigkeit, daß Sie unsern Leiter in einem Äugenblick, wo er in Ermangelung eines andern Verteidigers selbst sprechen will, mindestens anhören. Wenn Sie das nicht wollen, so sprengen Sie einfach den Kongreß. Werden Sie sich Ihrer Verantwortlichkeit bewußt! Sie sind hier nicht in einer Volksversammlung, Sie sind Mandatare des zionistischen jüdischen Volkes. Sie sind Ihren Auftraggebern verantwortlich. Jeder von Ihnen tritt mit seinem _ Namen und seiner Persönlichkeit für seine Beschlüsse ein. Wenn Sie durch Ihren Tumult, durch Ihre Unduldsamkeit eine weitere Verhandlung unmöglich machen, werde ich selbstverständlich im Interesse der Würde des Kongresses und des jüdischen Volkes vom Vorsitz zurücktreten. Außerdem aber werden Sie die Verantwortlichkeit tragen, daß unser Kongreß zu unsrer Schande im Tumult auseinandergeht. Wollen Sie auch mit Geduld die Verteidigung anhören, so wie Sie die Angriffe angehört haben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)

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