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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 65

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 65 (sequence 65)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 65 — Präsident Dr. Nordau: Ich erteile nun das Wort dem Präsidenten des E. A. C. Herrn Wolffsohn. Präsident Wolffsohn (mit Begeisterung akklamiert — die Delegierten erheben sich von ihren Sitzen — Tüeherschwenken auf der Galerie und im Saale — erneuter anhaltender Beifall und Händeklatschen). Meine geehrten Delegierten! Sie würden mir einen viel größern Gefallen erweisen, wenn Sie Ihre Plätze einnehmen und von meiner Stimme nicht zu viel verlangen würden. (Unruhe.) Präsident Dr. Nordau (unterbrechend): Ich bitte, den Mittelgang frei zu lassen und die Plätze einzunehmen, Sie werden Ihre Sympathien unserm Präsidenten am besten erweisen, indem Sie ihn ruhig und still anhören. Präsident Wolffsohn: Geehrter Kongreß! Es war nicht meine Absicht, hier eine große Rede zu halten, weil ich bis zu diesem Kongresse der Ansicht war, daß es eine Menge Dinge gibt, die wir lieber unter uns ausmachen wollen, als damit in die Öffentlichkeit zu treten. Der Kongreß ist eine Öffentlichkeit, und es liegt sogar in unserm Interesse, daß jedes Wort, das hier fällt, in die Öffentlichkeit hinausgelangt. Wir könnten dies auch gar nicht hindern. Da habe ich mir immer gesagt, wir wollen mit internen Sachen lieber unter uns bleiben und sie unter uns austragen. Ich bin aber jetzt durch gewisse Umstände gezwungen, hier ein offenes Wort zu reden, weil bei uns in der letzten Zeit etwas eingerissen ist, das für unsere Bewegung von Gefahr ist. Man hat damit begonnen, Dinge zu verbreiten, allerlei Gerüchte, die sich jeder Kontrolle entziehen; man hat angefangen, in den zionistischen Zeitungen gegen die Leitung, gegen einzelne Personen zu schreiben, unwahre Behauptungen zu verbreiten, und wir haben wahrlich etwas anderes zu tun, als uns mit zionistischen Zeitungen herumzuschlagen, ich bin auch nicht in der Lage, allen zu antworten. Es ist so weit gekommen, daß die Verhandlungen nicht mehr im Kongresse stattfinden, sondern in Konventikeln, in Gruppen und Landsmannschaften, von denen man zum Kongreß mit gebundener Marschroute kommt, bevor man die andere Partei gehört hat. (Lebhafte Zustimmung.) Es ist soweit gekommen, daß man von Beschlüssen spricht, bevor wir noch hier beraten haben. Wir sind nicht in der Lage, alles, was gesprochen wird, zu kontrollieren. Einzelne Personen laufen herum und machen sich wichtig. Da heißt es, die russische Landsmannschaft hat das und das beschlossen usw. Daraus entstehen alle möglichen Gerüchte. Solange ich aber hier am ersten Platze stehe, halte ich es für meine Pflicht, wenn ich sehe, daß unsere Bewegung in Gefahr ist, für sie einzutreten. Der Schaden wird allerdings nicht so groß sein, denn wir sind inzwischen stark genug geworden, trotz der vielen Klagen, die geführt werden, daß wir auch schon eine Kritik ^nach außen vertragen können. Und jetzt komme ich zur Sache.

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